USA haben Zahl der El-Kaida-Kämpfern unterschätzt

Die US-Streitkräfte haben nach eigenen Angaben die Anzahl der El-Kaida-Kämpfer unterschätzt. Die Amerikaner begannen ihre bisher größte Bodenoffensive in Afghanistan im Gebirge nahe der pakistanischen Grenze. Auch B-52-Bomber fliegen verstärkt Angriffe. Der Kommandant der "Operation Anaconda", Generalmajor Frank Hagenbeck, zu Beginn sei man von 150 bis 200 Kämpfern ausgegangen, inzwischen schätze man die Zahl auf 600 bis 700. UNO-Generalsekretär fordert indessen die Aufstockung der Schutztruppen.
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte zu dieser Diskrepanz, vor einer Schlacht seien trotz Aufklärung durch Geheimdienste genaue Schätzungen unmöglich.
Der US-Befehlshaber des Afghanistan-Einsatzes, General Tommy Franks, sagte, die Zahl der US-Soldaten im Kampf um die Region um das Dorf Schah-i-Kot sei um rund 300 auf 1.1000 Mann verstärkt worden. Die rund 1.000 afghanischen Kämpfer an der Seite der Alliierten würden für den entscheidenden Angriff noch einmal um 5.000 Mann verstärkt. Die nächsten Tage werden nach seiner Einschätzung noch einmal sehr gefährlich für seine Truppen. "Aber die Alternative dazu, dieses Risiko einzugehen, ist nicht annehmbar", fügte er hinzu.
Die USA haben in der "Operation Anaconda" ihre bisher schwersten Verluste seit Beginn des Krieges im Oktober erlitten. Sieben Soldaten wurden beim Beschuss ihrer Hubschrauber getötet, einer fiel am Montag, am ersten Tag der Offensive. US-Kampfflugzeuge bombardierten auch am Mittwoch unablässig die Stellungen der El Kaida in den bis zu 3.000 Meter hohen Bergen.
Ex-König Zahir Schah: US-Anti-Terrorkrieg ist "dumm und unnötig"
Der afghanische Ex-König Mohammed Zahir Schah hat unterdessen den Krieg gegen den Terrorismus in Afghanistan als "dumm und unnötig" bezeichnet. "Der Terrorismus und El Kaida sind ausländische, nicht afghanische Phänomene", sagte der 87-Jährige der italienischen Tageszeitung "La Stampa" (Donnerstagausgabe). Ohne die USA ausdrücklich zu nennen, forderte er ein sofortiges Ende der Militäraktionen. "Mein Volk hat immer für Freiheit und Demokratie gekämpft", sagte der seit seinem Sturz im Jahr 1973 im römischen Exil lebende Ex-Monarch. Auf seine in Kürze erwarteten Rückkehr nach Afghanistan freue er sich sehr.
Annan fordert Verstärkung der Friedenstruppe
UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat sich zur Stabilisierung der Lage in Afghanistan für eine Verstärkung der internationalen Friedenstruppe eingesetzt. Die 4.500 Soldaten, darunter ein österreichisches Kontingent, sollten mit einem verlängerten Mandat auch über Kabul hinaus für Sicherheit sorgen, sagte er am Mittwoch vor dem Rat für auswärtige Angelegenheiten in New York. Die internationale Gemeinschaft könne Afghanistan nicht wie nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1989 sich selbst überlassen, mahnte Annan.
"Vorbeugung bedeutet in diesem Fall, dass Sicherheit im ganzen Land und nicht nur in Kabul gewährleistet wird", sagte er. Die Ausbildung afghanischer Polizisten und Soldaten werde ein Jahr in Anspruch nehmen. "Was machen wir in der Zwischenzeit?" fragte der Generalsekretär angesichts des derzeit auf sechs Monate befristeten Mandats.
Einige Diplomaten schätzen, dass die USA und ihre Verbündeten die Friedenstruppe auf bis zu 9.000 Mann verstärken könnten, die auch über Kabul hinaus stationiert werden sollten. Die Übergangsregierung hat um 20.000 Soldaten gebeten, die in fünf großen Städten patrouillieren sollten. Diplomaten in New York zufolge steht das nicht zur Diskussion.
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