Mittwoch, 6. März 2002

SPEZIAL: DER FALL OMOFUMA

"Der Anblick war nicht sehr schön", erinnerte sich eine 31-jährige Stewardess an den an seinen Sitzplatz gefesselten und geknebelten Marcus Omofuma. "Er war über den ganzen Körper mit Klebeband verklebt", erklärte die aus Bulgarien angereiste Zeugin. Zumindest das Mundverkleben hielt sie jedoch für gerechtfertigt: "Wenn er anfangen würde zu schreien, würde das bedeuten, dass die 140 anderen Passagiere aufstehen."

Das wiederum hätte eine Abflugverzögerung nach sich gezogen. "Wir hätten Strafe zahlen müssen. Wir hatten es eilig", gab die Stewardess zu Protokoll. Ihres Wissens habe Omofuma auch nach dem Start noch "minutenlang auf seinem Sitz getobt." Später habe er sich beruhigt: "Er schien zu schlafen. Seine Augen waren zu."

Ein weiterer Zeuge, ebenfalls Flugbegleiter in der Balkan Air-Maschine, hatte den Eindruck, der Schubhäftling habe sich im Flieger "befreien" wollen: "Er war angeklebt." Aus Omofumas Körperbewegungen habe er geschlossen, "dass ihm das nicht passt". Schon beim Hineintragen in das Flugzeug habe sich der Schwarzafrikaner derart heftig gewehrt, dass er einen Schuh verlor.

Das Verfahren wird am kommenden Montag mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt. Geladen sind weitere Besatzungsmitglieder sowie Passagiere. Nicht nach Korneuburg bemühen wird sich übrigens jener bulgarische Gerichtsmediziner, der Omofumas Leiche nach der Landung in Sofia obduziert und ein Gutachten über die Todesursache abgegeben hatte. Sein Gesundheitszustand erlaube ihm keine Auslandsreisen, er denke auch nicht daran, einen Vertreter zu schicken, kündigte der zur Verhandlung geladene Arzt laut Richter Alexander Fiala in einem Telefongespräch an. "Es ist schon alles gesagt, was gesagt worden ist", soll der Bulgare dabei wörtlich bemerkt haben.

6.3.2002 20:51