Minus soll bis 2004 auf 482,7 Millionen anwachsen!

Die Regierung beteuert, das Defizit der Krankenkassen im Griff zu haben. Aber der neue Bericht der Geschäftsführung im Verwaltungsrat ist vernichtend! Demnach wird das Defizit der Krankenkassen bis 2004 (Übersichtsgrafik ansehen) wieder kräftig steigen. Bis dahin soll der Abgang der Kassen auf 482,7 Millionen Euro oder 6,64 Milliarden Schilling ansteigen.
Das geht aus einem der APA vorliegenden Bericht der neuen Geschäftsführung des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger hervor, der in der letzten Sitzung des Verwaltungsrates vergangenen Freitag präsentiert worden ist.
Im Vorjahr ist der Abgang der Krankenkassen laut vorläufigem Ergebnis auf 149 Mill. Euro oder 2,05 Mrd. S gesunken. Das war deutlich weniger als ursprünglich befürchtet, im Voranschlag hatte man noch mit 422 Mill. Euro (5,8 Mrd. S) gerechnet. Nach dieser erfreulichen Entwicklung rechnet die Geschäftsführung nun aber wieder mit einem Anstieg. Heuer wird das Defizit laut Voranschlag 232 Mill. Euro (3,2 Mrd. S) betragen.
Für 2003 nimmt die Geschäftsführung in dem Bericht einen Abgang von 389 Mill. Euro (5,35 Mrd. S ) an. 2004 soll das Defizit sogar auf 482,7 Mill. Euro (6,64 Mrd. S) ansteigen.
Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (F) hatte vorige Woche noch gemeint, das Nulldefizit in der Krankenversicherung sei praktisch bereits erreicht. Seine Rechnung: Der vorläufige Abgang für das vergangene Jahr liege bei 2,04 Mrd. S (149 Mill. Euro), dafür stünden aber im Ausgleichsfonds zwischen den Trägern 1,99 Mrd. S zur Verfügung. Zudem sei im endgültigen Ergebnis für 2001 noch ein weiterer Defizit-Rückgang zu erwarten, wodurch das Nulldefizit praktisch gesichert sei, so Waneck vergangenen Mittwoch.
Verursacht wird das steigende Defizit dadurch, dass nicht nur die Einnahmen, sondern auch alle Ausgabenposten der Krankenkassen deutlich steigen. Die Beitragseinnahmen steigen laut dem Bericht heuer um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, im nächsten Jahr um 2,7 Prozent und 2004 um 2,9 Prozent. Die Medikamentenausgaben sollen heuer und im nächsten Jahr um jeweils 5,8 und 2004 um 5,9 Prozent steigen. Die Ausgaben für die Anstaltspflege sollen um 2,6 bzw. 2,8 sowie 2,9 Prozent wachsen. Rückläufig ist hingegen die Wachstumsrate bei den Ausgaben für die ärztliche Hilfe und zwar von 3,9 Prozent heuer auf 3,6 im nächsten Jahr und 3,5 Prozent im Jahr 2004. Auch bei der Zahnbehandlung und dem Zahnersatz sind die Steigerungsraten rücklaufig, nämlich von 2,9 über 2,5 auf 2,4 Prozent bzw. von 2,2 über 1,5 auf 1,4 Prozent.
Der Verwaltungsaufwand soll heuer um 1,5 Prozent steigen. Im Jahr 2003 wird mit einem Rückgang der Verwaltungskosten um 1,9 Prozent gerechnet, im Jahr 2004 sollen sie dann wieder um 2,2 Prozent steigen. Hintergrund dieser Entwicklung ist die Verpflichtung der Krankenkassen, die Verwaltungsausgaben bis 2003 auf dem Stand von 1999 einzufrieren.
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