FORMAT: Schadenersatzklage auf 18 Millionen €

Knalleffekt in der Affäre Libro: Die neue Unternehmensführung hat gegen die beiden früheren Vorstände Andrè Rettberg und Johann Knöbl je 18 Millionen Euro Schadenersatz eingeklagt.
Am 22. Februar setzten die beiden Rechtsanwälte Georg Kahlig und Gerhard Stauder in ihrer Kanzlei in Wien-Neubau einen überaus brisanten Brief auf. Im Betreff des Schreibens heißt es trocken: „Schadenersatzansprüche aus der vormaligen Organ-Funktion“.
Bereits drei Tage später, am Montag der vergangenen Woche, landete der FORMAT exklusiv vorliegende Brief mit durchwegs niederschmetternden Nachrichten im Postkasten von zwei ehemaligen Spitzenmanagern. Böse Botschaft an André Rettberg, Ex-Vorstand des im Vorjahr unter spektakulären Begleitumständen in die Insolvenz geschlitterten Buch- und Musikhandelsunternehmens Libro AG, sowie an seinen Vorstandskollegen Johann Knöbl: „Im Zusammenhang mit der vormals eingetretenen Zahlungsunfähigkeit unserer Mandantschaft haben wir mitzuteilen, daß unsere Mandantschaft Schadenersatzansprüche von vorerst Euro 18.000.000,– gegen Sie geltend macht.“
Der Auftraggeber der Klage, der neue Libro-Chef Werner Steinbauer, hatte den beiden Anwälten am 21. Februar die Vollmacht erteilt, das Unternehmen „bei der Feststellung und Verfolgung von Schadenersatzansprüchen gegen den vormaligen Vorstand und den Aufsichtsrat der Gesellschaft als Organe und deren Mitglieder, einschließlich gegen haftende oder regreßpflichtige Dritte, insbesondere auch gegen die AIG Europe S. A., zu vertreten“ (siehe Faksimile).
Enorme Sprengkraft
Der in farblosem Juristendeutsch abgefaßte Schachtelsatz erweist sich bei genauerer Betrachtung als Bombe mit enormer Sprengkraft: Wie von FORMAT bereits angekündigt, hat der ehemalige Shooting-Star und einstige Mister Libro André Rettberg nun endgültig eine Schadenersatzklage über 18 Millionen Euro (umgerechnet satte 247,7 Millionen Schilling) am Hals.
Astronomische Höhe
Die Schadenersatzklage gegen Rettberg stützt sich „auf die fahrlässige Gestionierung in Ihrer vormaligen Funktion als Mitglied des Vorstandes“, heißt es in dem Schreiben der Rechtsanwälte Kahlig und Stauder. Der Prozeß verspricht jedenfalls Hochspannung pur: Noch nie wurde bei einem österreichischen Topmanager eine dermaßen astronomisch hohe Summe von seinem Ex-Arbeitgeber als Wiedergutmachung für einen angeblich angerichteten Schaden vor Gericht eingefordert.
Die besondere Brisanz des Prozesses: Die neue Libro-Führung hat neben den Klagen gegen Rettberg und seinen Vorstandskollegen Knöbl offenbar auch vor, vom Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Stiassny Schadenersatz einzufordern. Nicht ausgeschlossen ist außerdem, daß demnächst auch die übrigen Aufsichtsräte – darunter Telekom-Marektingvorstand Rudolf Fischer, „Krone“-Wirtschaftschef Georg Wailand und BWT-Finanzchef Karl Millauer – belangt werden.
Und: Mit in der Klagsvollmacht als „haftende oder regreßpflichtige Dritte“ gemeint sind die Wirtschaftsprüfer von Libro – vor allem den Libro-Experten bei der Auditor, den Abschlußprüfern der letzten Bilanzen, könnte demnächst ebenfalls eine Schadenersatzklage ins Haus flattern.
Alles über die genauen Vorwürfe und das detaillierte Protokoll des Desasters lesen Sie im neuen FORMAT.

