Donnerstag, 28. Februar 2002

SPEZIAL: ABSCHIED VOM SCHILLING

Der Schilling ist Geschichte. Seit heute, Freitag, null Uhr, kann in den Geschäften, Supermärkten oder der Gastronomie nur mehr mit Euro bezahlt werden. In Österreich und allen anderen elf Ländern der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion ist der Euro seit heute alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel. Die alten nationalen Währungen wurden, wenn sie nicht wie in Frankreich, Irland und den Niederlanden schon früher aus dem Verkehr gezogen worden sind, spätestens um Mitternacht von der europäischen Einheitswährung abgelöst.

Damit können ab sofort über 300 Millionen Menschen in 12 der 15 EU-Länder nur mehr mit dem Euro ihre Zahlungen tätigen. Der Euro wird aber auch in einigen Ländern außerhalb des Euro-Gebietes akzeptiert. So kann damit zum Beispiel in den meisten großen Geschäften in Großbritannien und der Schweiz bezahlt werden.

Mit dem endgültigen Aus für den Schilling endet auch die Geschichte einer eigenständigen österreichischen Währung. Die letzte, die Schilling-Währung, war - unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg - seit Dezember 1924 fast 80 Jahre lang gültig.

In Österreich ist auch die Phase der verpflichtenden doppelten Preisauszeichnung zu Ende gegangen, und Banken sind ab sofort nicht mehr verpflichtet, kostenlos Schilling gegen Euro einzutauschen. Mehrere Unternehmen und Finanzinstitute haben aber angekündigt, freiwillig teilweise bis in den Sommer hinein sowohl die Preise weiter in Schilling und Euro anzugeben als auch den Schilling in Euro - zum Teil gebührenfrei - umzutauschen. Bei den Kassen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) wird der kostenlose Umtausch aber auf jeden Fall unbefristet und unbeschränkt möglich sein.

Ab 1. März 2002 gilt der Euro somit in Österreich, Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Portugal und Spanien als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel.

Teure Auslandsreisen?
Auslandsreisen werden wohl teurer kommen: In manchen Ferienländern sind Euro-Preise höher als üblich. Im Dollarraum (USA, Karibik) liegt das an der Euro-Schwäche. In der Türkei sind die Euro-Preise 30 % höher als normal, in Ungarn um 21%, in Kroatien um 4 Prozent. Das geht aus einer Studie der Bank Austria hervor. Innerhalb der EU ändert sich zum Glück nicht viel. Aber in den USA haben 100 Euro nur die Kaufkraft von 82 Euro, in England von 84 Euro.

VKI erwartet Verteuerungen in nächster Zeit
In Österreich fürchten die Konsumentenschützer klamm-heimliche Preis-Erhöhungen. Verteuerungen befürchten die Konsumentschützer vor allem in jenen Bereichen, wo die Preisgestaltung für Konsumenten nicht so deutlich ersichtlich ist, weil die Leistungen nicht täglich in Anspruch genommen werden. Das gilt für die Bereiche Freizeit und sonstige Dienstleistungen. Der VKI will die Preisentwicklung jedenfalls weiterhin sehr aufmerksam beobachten und über mögliche Preisanstiege berichten.

Seit Jänner 2002 werde das VKI-Info Center von Konsumenten, die ihrem Ärger über Euro-Preiserhöhungen Luft machen, regelrecht gestürmt, zieht der VKI eine erste Bilanz zur Euro-Umstellung. "Nach den ersten Teuerungswellen im Vorjahr hat für diesen neuerlichen Preisschub und die fadenscheinigen Erklärungen dazu niemand mehr Verständnis".

Problemlose technische Umstellung & die 1. Teuerungswelle
Die technische Umstellung auf den Euro ist weitgehend problemlos verlaufen. Die immer wieder feststellbaren und zum Teil eklatanten Preiserhöhungen seien bei den Konsumenten jedoch auf Unbehagen und Ärger gestoßen.

Die erste Teuerungswelle wurde in der ersten Hälfte des Vorjahres beobachtet, vor allem bei großen Supermarktketten, mehr oder weniger flächendeckend bei Parkgebühren und Telefonanbietern (vor allem UPC Telekabel, max.mobil und One). In Supermärkten seien die Preisbeschwerden allerdings merklich zurückgegangen. Experten führen dies auf die seit Oktober 2001 geltende gesetzliche doppelte Preisauszeichnung zurück.

Die 2. Teuerungswelle
Den zweiten Teuerungsschub konstatierte der VKI im Zuge der Einführung des Euro als Bargeld mit Beginn des Jahres 2002. Die Spitzenreiter der von Konsumenten mitgeteilten Erhöhungen waren mit rund 21 Prozent der gemeldeten Preisbeschwerden die Gastronomie, 6 Prozent bezogen sich auf Automaten (elektronische Spiele, Darts, Billard, Tischfußball) und knapp 6 Prozent der Beschwerden betrafen verschiedene Gebühren von Gemeinden (Park- und Leihgebühren, Ortstaxen). Erboste Kommentare zu teils beträchtlichen Preiserhöhungen habe es auch von Eltern, Schülern und Studenten im schulischen und universitären Bereich gegeben und betrafen zum Beispiel Betreuungsbeiträge, Gebühren für Duplikate, Ausweise, Zeugnisse, und dergleichen.

Saloppe Rundungen: 1 € = 10 öS
In der zweiten Teuerungs-Phase seien besonders die Rundungen auf "ganze Euro" aufgefallen, etwa von 10 Schilling auf 1 Euro und von 20 Schilling auf 2 Euro. "Diese nicht nachvollziehbaren Preissprünge sind besonders zu verurteilen. Schließlich wurde den Konsumenten von Seiten der Wirtschaft immer wieder versichert, dass durch den Euro keine Preiserhöhungen zu befürchten seien, so der VKI.

28.2.2002 13:56