Donnerstag, 28. Februar 2002

Gassner macht von Entschlagungsrecht Gebrauch

Im Bank Burgenland-Prozess gegen die ehemaligen Vorstandsmitglieder Günter Widder und Manfred Schneider vor einem Wiener Neustädter Schöffensenat sorgte der mittlerweile rechtskräftig zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilte Ex-Generaldirektor Ernst Gassner Freitag Mittag für eine Überraschung. Gassner, der als Zeuge vorgesehen war, erklärte, nicht aussagen zu wollen. Sein Auftritt war damit nach knapp zwei Minuten wieder beendet.

Der ehemalige Bank-Chef kann deshalb ein Entschlagungsrecht geltend machen, da seine Verurteilung nicht auf der Grundlage eines Geständnisses erfolgt ist.

Die ehemaligen Vorstandskollegen von Gassner, Widder und Schneider, stehen unter dem Vorwurf des Verbrechens der Untreue und des Vergehens nach dem Aktiengesetz vor Gericht. Sie sollen im Zusammenhang mit der Vergabe von Krediten an den Milliardenbetrüger Thom alias Hom-Rusch und seine Firmen ihre Kontrollpflichten massiv verletzt und damit einen Schaden von rund 94,5 Mill. Euro angerichtet haben. Beide fühlen sich nicht schuldig.

Innenrevision warnte vergeblich
Die Innenrevision der Bank Burgenland stieß im Zusammenhang mit dem Kreditengagement Hom-Rusch immer wieder auf große Missstände, die Warnungen in den Revisionsberichten wurden aber nicht ernst genommen, berichtete der Leiter der Innenrevision, Wolfgang Gruber, am Freitag als Zeuge. Reaktionen auf die Revisionsberichte gab es keine, meinte er. Nach seiner Aussage waren auch die beiden Angeklagten Widder und Schneider über Missstände informiert. "Sie haben nicht reagiert, und zwar mit der Begründung: Das geht uns nichts an", sagte Gruber. Der Angeklagte Widder widersprach dieser Darstellung allerdings heftig.

13. und 15. Mai als weitere Prozesstermine
Nach der Einvernahme des Leiters der Innenrevision der Bank Burgenland wurde die Hauptverhandlung gegen die Ex-Vorstände Widder und Schneider am Freitag auf Mai vertagt. Als weitere Prozesstermine nannte Richter Reichert den 13. und 15. Mai (jeweils 9.30 Uhr).

28.2.2002 09:03