Donnerstag, 28. Februar 2002

Laut WIFO jedes Jahr 1.300 Jobs weniger!

Eine Verzögerung der EU-Erweiterung würde die österreichische Volkswirtschaft jedes Jahr 0,13 Prozent Wachstum und rund 1.300 Jobs kosten. Die Kandidatenländer würden wirtschaftlich aber wesentlich stärker in Mitleidenschaft gezogen. Zu diesem Schluss kommt eine vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) im Auftrag der Wirtschaftskammer erstellte Studie.

Die von Studienautor Fritz Breuss an Hand eines Rechenmodells kalkulierten volkswirtschaftlichen Kosten belaufen sich - verglichen mit dem Erweiterungsszenario - auf jährlich rund 270 Mill Euro, das sind etwa 3,7 Mrd. S. Diese stolze Summe entspricht freilich lediglich 0,13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Pro Jahr würden um mindestens 1.300 Jobs weniger geschaffen und die Preise um 0,3 Prozent stärker steigen als im alternativen Erweiterungsszenario.

Bei einer Verzögerung der Erweiterung um sechs Jahre würde dies insgesamt unter dem Strich 0,8 Prozent weniger Wachstum, 8.000 Arbeitsplätze weniger und eine um (kumuliert) 2 Prozent höhere Inflation bedeuten.

Die Aufwendungen, die die heimische Exportwirtschaft durch die fortbestehenden Grenzformalitäten (weiterhin) zu tragen hätte, sind laut Breuss mit jährlich immerhin 470 Mill. Euro/6,2 Mrd. S zu beziffern. "Die Negativeffekte/Kosten einer Nichterweiterung bzw. verzögerten Erweiterung sind außerordentlich hoch", meinte Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl bei der Präsentation der Studie am Mittwoch Abend.

Anfang Dezember 2001 hatte die Industriellenvereinigung (IV) eine ähnliche Analyse vorgestellt, die zu ähnlichen Schlüssen gekommen war. Auch in dieser Arbeit wurde für Österreich ein durchaus überschaubarer zusätzlicher Wachstumsimpuls von 0,15 Prozent pro Jahr errechnet. Ungarn und Polen dürfen - folgt man dieser Modellrechnung - aus der Erweiterung ein zusätzliches jährliches Wachstumsplus von knapp 1 Prozent erwarten.

28.2.2002 06:37