Sonntag, 3. März 2002

Fattori Sieger im Super G von Kvitfjell

Jetzt ist es auch rein mathematisch fix: Stephan Eberharter ist Gesamt-Weltcupsieger der Saison 2001/2002. Damit hat er die Krone nach einer perfekten Saison sicher. Nach Gold, Silber und Bronze bei Olympia hat der 32-Jährige Tiroler damit auch im Weltcup seine Karriere endgültig gekrönt.

Neun Saisonsiege hat der Zillertaler in dieser Saison eingefahren, bei 21 Starts stand er nicht weniger als 15 Mal auf dem Podest. So auch am Sonntag im Super G von Kvitfjell, in dem er sich die große Kugel unwiderruflich sicherte.

Eberharter ist erst der dritte Österreicher, der eine Saison als absolute Nummer eins beendet. Vor ihm war dieses Kunststück nur Karl Schranz (1969,70) und Hermann Maier (1998,2000,2001) geglückt. Und wenn Eberharter am kommenden Sonntag in Flachau die große Kugel in Empfang nimmt, wird ein Märchen wahr. Doppelweltmeister 1991, dann Verletzungen und der Rauswurf aus den Weltcup-Kadern. Doch der "Sturschädel" kämpfte sich zurück. Das Kämpfen ist auch das Geheimnis seines Erfolges.

Steff will noch mehr
Bis er seinen eigenen Erfolg realisiert, wird es aber noch dauern, auch wenn die "mathematische Vollendung" für Eberharter nur eine Frage der Zeit war. "Ich habe schon lange gewusst, dass es sich ausgeht. Aber es wird dauern, bis ich verarbeitet habe, was ich heuer eigentlich geleistet habe. Vielleicht kommt es am letzten Tag, wenn ich beim Finale die Kugel in der Hand halte. Erst dann werde ich es vielleicht begreifen." Am liebsten wäre es Eberharter allerdings - und das ist typisch für ihn - wenn es noch mehr als die zwei Kugeln wären, die ihm bereits sicher sind. Im Super G ist es fast geschafft, doch Eberharter "spitzt" auch auf den Gewinn der Spezialwertung im Riesentorlauf. "Auf den ersten Blick sieht es nicht so gut aus, aber Covili ist zuletzt nicht gut gefahren. Wenn ich gewinne, dann kann es sich ausgehen."

Comeback vor sechs Jahren
Vor sechs Jahren noch war er ohne ein einziges Weltcup-Rennen in den Beinen als Titelverteidiger bei der WM in der Sierra Nevada angetreten, damals hätte er jeden, der ihm so ein Comeback prophezeit hätte, wohl "als deppert" bezeichnet. "Ich wusste zwar, dass ich es kann, weil ich ein guter Skifahrer bin. Aber dass ich einmal in der Abfahrt so viel gewinne, hätte ich mir nie erträumt", erklärt er. Doch seine laut Eigendefinition größte Stärke, seine Einstellung, führte ihn zum Erfolg. "Ich ordne dem Sport alles unter, ich arbeite vielleicht mehr als andere Profis." Und dazu hat er seinen eigenen Weg zum Siegläufer gefunden. "Im Gegensatz zu früher brauche ich keinen Trainer mehr, der mir sagt, wann und was ich zu tun habe. Ich hole mir Tipps und gehe meinen Weg. Ich weiß, was ich brauche."

2006 nicht mehr dabei
Eberharter wird, obwohl er vor einem Jahr mit dem Karriereende spekulierte, weiterfahren. "Es geht zur Zeit so gut, dass es ja fast schade wäre, wenn ich nicht weitermache. Und am Beispiel von Hannes Trinkl sieht man ja, dass man auch mit 34 noch sehr gut fahren kann." Eberharter verzichtet deshalb darauf, die kommende Saison als seine letzte anzukündigen: "Vielleicht mache ich ja nicht nur das nächste Jahr weiter. Sicher ist nur, dass ich 2006 nicht mehr dabei sein werde." Dass die Fortsetzung seiner Karriere auch im Zusammenhang mit Hermann Maier zu sehen ist, verneint er. "Dass ich weiterfahre, hat damit nichts zu tun."

Privatleben bleibt geheim
Erfolge hin oder her, eines soll im Leben von Eberharter weiter ein Buch mit sieben Siegeln bleiben: Sein Privatleben. "Das ist mein letzter heiliger Punkt, den will ich mir auch unter allen Umständen bewahren. Ich werde deshalb weiter keinerlei Fragen zu möglichen Freundinnen oder gar Heiratsplänen oder was auch immer beantworten."

Konkurrenz zieht den Hut
Auch die Konkurrenz zieht vor Eberharter den Hut. "Ich habe seit Garmisch den Weltcup abgeschrieben", sagte etwa Kjetil-Andre Aamodt, der nun im Weltcup 502 Punkte zurückliegt, "ich kann dem Steff nur herzlich gratulieren. Er ist ein Super-Champion. Wenn man in einer Saison mehr Rennen gewinnt, als vorher in der ganzen Karriere, sagt das alles." Und Aamodt unterstrich eines: "Er braucht sich nicht mehr hinter Hermann Maier zu verstecken - so wie er heuer gewonnen und dominiert hat, war das wie Hermann Maier."

Fattori durchbrach ÖSV-Serie
Die ersten vier Weltcup-Super G-Rennen der Herren in diesem Winter waren fest in österreicherischer Hand. Dann kam Olympia und der Sieg von Kjetil-Andre Aamodt. Und am nun folgte Kvitfjell. Und wie vor zwei Jahren, als Kristian Ghedina den Österreichern die "perfekte Saison" mit Erfolgen in allen Rennen vermasselte, schlug abermals ein Italiener zu und beendete die Serie des ÖSV. Alessandro Fattori holte sich den Sieg in Norwegen vor dem ebenfalls überraschenden Schweizer Didier Defago, erst danach kam mit Stephan Eberharter die Nummer eins des bisherigen Winters.

Herren-Super G in Kvitfjell
1.
Alessandro Fattori
ITA

1:36,68 Min.
2.
Didier Defago
SUI

+0,20 Sek.
3.
Stephan Eberharter
AUT

+0,24
4.
Kristian Ghedina
ITA

+0,25
5.
Kjetil-Andre Aamodt
NOR

+0,39
6.
Andreas Schifferer
AUT

+0,44

Lasse Kjus
NOR

+0,44
8.
Tobias Grünenfelder
SUI

+0,45
9.
Fritz Strobl
AUT

+0,49
10.
Didier Cuche
SUI

+0,53
11.
Hans Knauß
AUT

+0,58
12.
Ambrosi Hoffmann
SUI

+0,61
13.
Christian Greber
AUT

+0,62
14.
Lasse Paulsen
NOR

+0,67
15.
Christoph Gruber
AUT

+0,78
16.
Patrik Järbyn
SWE

+0,85
17.
Stephan Görgl
AUT

+0,87
18.
Claude Cretier
FRA

+0,89
19.
Marc Bottolier
FRA

+0,90
20.
Thomas Vonn
USA

+0,93
21.
Fredrik Nyberg
SWE

+1,09
22.
Peter Rzehak
AUT

+1,14
23.
Daron Rahlves
USA

+1,15
24.
Bruno Kernen
SUI

+1,17
25.
Hannes Trinkl
AUT

+1,20
26.
Paul Accola
SUI

+1,28
27.
Christophe Saioni
FRA

+1,33
28.
Klaus Kröll
AUT

+1,35
29.
Bode Miller
USA

+1,42
30.
Sebastien Fournier
FRA

+1,46

weiter:



45.
Christoph Alster
AUT

+2,53

Ausgeschieden u.a.: Bjarne Solbakken (NOR), Roland Fischnaller (ITA), Rolf Von Weissenfluh (SUI)

3.3.2002 10:39