Dienstag, 26. Februar 2002

Die Vereine sind uneinig und nervös

Die drohende Reduzierung des TV-Geldes spaltet die deutsche Fußball-Bundesliga. Während einige der Branchenführer zu Nachverhandlungen bereit sind, besteht nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) knapp die Hälfte der 18 Erstligisten auf der Einhaltung des 1,53 Milliarden Euro (21,1 Mrd. S) schweren Vier-Jahres-Vertrages mit der KirchGruppe.

Die Branche ist angesichts eines Schuldenberges von 6,5 Milliarden Euro (89,4 Mrd. S) beim Vertragspartner Kirch zerrissen und nervös. Das zeigen vor allem die heftigen Attacken von Stuttgarts Manager Rolf Rüssmann gegen die Kollegen der Topclubs Bayern München, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund sowie gegen Liga-Chef Werner Hackmann (DFL). "Die Dortmunder und Leverkusener sprechen mit ihrem Ministerpräsidenten, andere angeblich mit Premiere-Chef Kofler und der Rest der Liga sitzt wie die Trottel da und weiß nicht, was passiert", schimpfte Rüssmann.

Zwar bestätigte DFL-Geschäftsführer Michael Pfad am Dienstag noch einmal, dass der Dachverband bisher weder Verhandlungen führe noch Anfragen der KirchGruppe habe. Doch die Ankündigungen von Premiere-Geschäftsführer Georg Kofler, der Kirchs Pay-TV-Sender neu strukturieren und dann mit den Vertragspartnern sprechen will, sind unmissverständlich: "Mit den derzeitigen Kostenstrukturen können wir nicht weitermachen."

Um das komplette Aus zu verhindern, muss der hochdefizitäre Bezahl-Sender sparen - und damit auch die vom TV-Geld abhängigen Profivereine. Die Liga ist wie gelähmt und muss derzeit abwarten, wann und mit welchen Vorschlägen die KirchGruppe auf sie zukommt.

"Wenn es einen Vorschlag gibt, dass Pay-TV mit Hilfe der Bundesliga zu unterstützen oder weiter zu entwickeln, würden wir das sicher unterstützen", sagte Hertha-Manager Dieter Hoeneß und vertritt damit eine Minderheit. Die Mehrheit der Clubs pocht auf Einhaltung des Vertrages, der in dieser Saison jedem Erstligisten durchschnittlich 15 Mio. Euro (206 Mio. S) einbringt und in der Saison 2003/2004 sogar fast 20 Mio. Euro (275 Mio. S) vorsieht. Jeder Zweitligisten erhält in dieser Saison durchschnittlich 4 Mio. Euro (55 Mio. S). Hackmann, DFL-Chef und Vorsitzender des Hamburger SV, sagte: "Die bestehenden Verträge stehen außerhalb jeder Diskussion."

26.2.2002 12:20