Dienstag, 26. Februar 2002

Stockholm und Dublin als Rivalen

Der internationale Aufschwung der österreichischen Schwimmer soll möglichst schon im nächsten Jahr mit Heim-Europameisterschaften auf der Kurzbahn in einem neuen Höhepunkt gipfeln. Am Montag weilten drei Herren von Europas Schwimm-Verband (LEN) in Wien, um unter Führung von VÖS-Generalsekretär Thomas Gangel die Gegebenheiten zu inspizieren. Die Platz-Problematik ist größtes Handicap für eine erfolgreiche Bewerbung für die Kurzbahn-EM in Wien.

Geplanter Schauplatz im Dezember 2003 ist das Stadthallenbad, die Entscheidung über die Vergabe fällt in einer LEN-Vorstandssitzung am 21. Mai in Berlin. Mitkonkurrenten um die Ausrichtung der Titelkämpfe sind derzeit Stockholm und Dublin. Um diese und noch etwaige weitere Rivalen auszustechen, gilt es für die Wiener aber noch eine größere Hürde zu beseitigen. "Hotels und Infrastruktur sollten so weit passen, der Knackpunkt sind die Zuschauer-Plätze", umreißt Gangel die Problematik.

In der Stadthalle stehen derzeit 900 Sitze zur Verfügung, vom europäischen Verband werden aber zumindest 1.500 bis 1.600 gefordert. Unter dieser Sitzplatz-Anzahl wird man die EM nicht bekommen. Die derzeit verfügbaren Plätze würden bereits von den Aktiven, Betreuern, Offiziellen, Journalisten und VIP's aufgebracht. Da wäre noch kein einziger Zuschauer in der Halle.

Eine Aufgabenstellung, für die Gangel nur eine Lösungsmöglichkeit sieht: "Da für die Kurzbahn nur die Hälfte des Beckens genützt wird, müssten wir über die andere Hälfte eine Tribüne bauen. Wir werden mit der Stadt Wien besprechen, ob das möglich ist. Die Frage ist vor allem, ob das technisch klappt."

Bis Mitte März muss man der LEN Bescheid geben, bis dahin muss auch eine Garantie-Erklärung des ORF vorliegen. Laut Gangel verliefen bisherige Gespräche mit den Verantwortlichen am Küniglberg positiv, zur Deadline in knapp drei Wochen wollen die europäischen Granden aber Definitives. "Nach diesem Termin kann freilich noch nachgebessert werden", weiß Gangel. Ein Plus für Wien sollte das Labor in Seibersdorf sein, das bei der Auswertung von Doping-Tests einen guten Ruf hat.

Von den beiden Konkurrenten schätzt der Funktionär vor allem Dublin stark ein. "Sie haben schon lange keine Großveranstaltung mehr gehabt und errichten außerdem einen riesigen Sportkomplex mit einer Schwimmhalle mit 2.500 Plätzen." Das Stadthallenbad steht hingegen mehr oder weniger auf dem Stand von 1974, außerdem hatte man in Wien erst 1995 die Freiluft-EM im Stadionbad. Da muss man beim VÖS wohl alle anderen Vorzüge umso kräftiger in die Waagschale werfen.

26.2.2002 10:15