Freitag, 1. März 2002

Afghanistan Karsai bittet Türkei um ISAF-Führung

Der afghanische Interims-Regierungschef Hamid Karsai hat die Türkei offiziell um die Übernahme der Führung der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) nach dem Ende des britischen Kommandos gebeten. "Die Türkei ist ein alter Freund Afghanistans und wir haben enge militärische Verbindungen", sagte Karsai am Freitag vor Journalisten in Paris. Indessen haben die Behörden in Afghanistan offenbar jene Täter identifiziert, die im November vier Journalisten ermordet haben.

Er habe den türkischen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit angerufen und ihm die Bitte zur Übernahme des ISAF-Kommandos vorgetragen. Der afghanische Außenminister Abdullah Abdullah erklärte, nach seinem Eindruck werde die Türkei dem Wunsch Karsais entsprechen.

Großbritannien will die Führungsrolle der ISAF bis höchstens Ende April ausüben. Die Türkei hatte sich grundsätzlich bereit erklärt, das Kommando von den Briten zu übernehmen. Vorerst stellt die Regierung in Ankara 261 Soldaten der ISAF. Sie erwägt, dies Kontingent aufzustocken.

Journalisten-Mörder wurden identifiziert
Die afghanischen Sicherheitskräfte haben angeblich die Täter identifiziert, die im November vier Journalisten getötet haben. Der italienische Verteidigungsminister Antonio Martino sagte am Freitag in Kabul, sein afghanischer Kollege Mohammad Kasim Fahim habe ihm zugesichert, er werde die Täter persönlich der Gerechtigkeit zuführen. Unter den getöteten Journalisten waren auch eine italienische Reporterin und ein spanischer Journalist.

General Fahim habe ihm gesagt, die Täter seien identifiziert, aber noch nicht verhaftet worden, teilte Martino mit. Die vier Journalisten waren am 19. November nach der Einnahme Kabuls durch die Nordallianz auf der Fahrt in die Stadt überfallen und getötet worden. Seit Beginn der US-Offensive gegen die Taliban-Herrscher in Afghanistan kamen außerdem vier weitere Reporter ums Leben.

1.3.2002 18:46