Robertson: "Wir geben nicht auf"

Die von der NATO geführte SFOR-Friedenstruppe wird ihre Suche nach dem als Kriegsverbrecher gesuchten ehemaligen Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, fortsetzen. Das versicherte NATO-Generalsekretär George Robertson am Freitag in Brüssel, nachdem ein zweiter Versuch zur Ergreifung Karadzics zuvor gescheitert war:''Herr Karadzic wird große Mühe haben, sich zu verstecken''.
Robertson gab zu, dass ihn der Misserfolg der beiden Aktionen am Donnerstag und Freitag enttäuscht habe. Es gebe dafür eine Vielzahl von Gründen, sagte er, ohne auf Einzelheiten einzugehen. "Aber das ist nicht das Ende der Geschichte", betonte Robertson. Es sei nicht der erste Versuch gewesen, Karadzic zu ergreifen, und es werde nicht der letzte sein, kündigte Robertson an.
"Wir sind auf Karadzics Spur und wir werden niemals aufgeben", bekräftigte der NATO-Generalsekretär. "Wir tun, was wir tun müssen, bis wir ihn gefangen haben." Der Einsatz am Freitag sei auf Grund von Informationen erfolgt, die während der Aktion am Vortag gewonnen worden waren. "Wir werden rastlos jedem Hinweis nachgehen, bis diese Arbeit erledigt und Karadzic in Den Haag ist", sagte Robertson. In Den Haag wartet das internationale Kriegsverbrecher-Tribunal seit langem darauf, den Prozess gegen Karadzic beginnen zu können.
Robertson warnte auch alle anderen mutmaßlichen Kriegsverbrecher: "Die Zeit läuft ab." Eines Tages werde die SFOR sie holen. Der einzige Weg, diese Jagd zu beenden, sei, dass sie sich selbst ergeben. Auch die Gefolgsleute Karadzics, die ihn versteckten und unterstützen, sollten wissen: "Der Tag der Abrechnung kommt."
Karadzic wieder nicht gefasst
Nach Berichten Belgrader Medien verlief die SFOR-Aktion am Freitag mit geringerem Gewalteinsatz als am Vortag, als Soldaten der Friedenstruppe im Dorf Celebici bei Foca gewaltsam in Häuser, aber auch in die Dorfkirche eindrangen. Einem nicht bestätigten Bericht der Belgrader Boulevardzeitung "Nacional" zufolge, sollen dabei "mindestens zwölf SFOR-Soldaten und Angehörige der Schutztruppe von Karadzic ums Leben gekommen" sein.
Wie der Sender "B-92" berichtete, errichteten SFOR-Soldaten in der Nacht von Donnerstag auf Freitag Kontrollpunkte auf der Straße zwischen Foca und Celebici und führten genaue Personenkontrollen durch. Sperren wurden auch auf anderen Verkehrswegen in Richtung Celebici errichtet. Im Dorf Suvo Polje wurden in den frühen Morgenstunden mehrere Wagen aufgehalten.
In der Gegend der Dörfer Mestrec und Velenici, etwa sechs Kilometer von Celebici entfernt, wurden in der Nacht auch SFOR-Hubschrauber eingesetzt. Nach Angaben von "B-92" kam es zu keinen Schießereien. SFOR-Soldaten nahmen in den frühen Morgenstunden auch Hausdurchsuchungen in den Dörfern Borje und Cehovo, etwa fünf Kilometer von Celebici entfernt, vor.
Der Bruder von Radovan Karadzic, Luka Karadzic, erklärte gegenüber der Zeitung "Nacional", sein Bruder werde "nicht lebend gefasst" werden. Er sei überzeugt, dass die SFOR ihre Informationen über den Aufenthaltsort von Karadzic aus Belgrad bekommen habe. Sein Bruder benutzt "seit 1997" aus Sicherheitsgründen nicht mehr das Telefon, um seinen Aufenthaltsort nicht zu verraten.
In jugoslawischen Militärkreisen wird dennoch erwartet, dass die Festnahme von Karadzic in den kommenden Tagen erfolgen wird. Ein namentlich nicht genannter Offizier erklärte "Nacional", dass sich Karadzic etwa zehn Kilometer von Foca entfernt von den SFOR-Truppen umzingelt befinde. "Wird er in den kommenden zwei bis drei Tagen nicht festgenommen, bedeutet dies, dass es ihm gelungen ist, sich in die Sicherheit zu bringen", wird der Offizier zitiert.
Der Einsatz von Freitag erfolgte genau zehn Jahre, nachdem sich Bosniaken und Kroaten in einer Volksabstimmung für die Unabhängigkeit von Bosnien-Herzegowina aussprachen. Im April 1992 brach der Krieg in Bosnien aus, indem bosnische Serben mit der Belagerung und dem Beschuss von Sarajewo begannen. In dem blutigsten europäischen Konflikt seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden nach Schätzungen 200.000 Menschen getötet, 20.000 gelten noch heute - knapp sieben Jahre nach Kriegsende - als vermisst. Mehr als zwei Millionen Menschen flüchteten. In den vergangenen Monaten wurden vor allem im serbischen Teil Bosniens zahlreiche mutmaßliche Kriegsverbrecher verhaftet.
Karadzic ist einer der meistgesuchten mutmaßliche Kriegsverbrecher auf dem Balkan. Er gilt als einer der Hauptverantwortlichen für Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Kriegs in Bosnien-Herzegowina von 1992 bis 1995. Er und sein früherer Militärbefehlshaber Ratko Mladic stehen unter Anklage des UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag. Während sich Karadzic in Bosnien versteckt halten soll, lebt Mladic angeblich unter dem Schutz der Armee in Belgrad.
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