Mittwoch, 27. Februar 2002

Euro-Mediterrane Partnerschaft wichtiges Thema

Zufrieden über ihre Gespräche in Marokko hat sich Außenministerin Benita Ferrero-Waldner am Mittwoch in Rabat geäußert. Österreich habe ein gutes Ansehen in den drei Maghreb-Staaten, sagte die Ministerin, die vor Marokko Tunesien und Algerien besucht hatte.

In Marokko stellte die Ministerin "Anzeichen einer Liberalisierung" im politischen wie im wirtschaftlichen Bereich fest. Auf bilateraler Ebene wurden am Dienstag in Rabat ein Luftverkehrs- und ein Doppelbesteuerungsabkommen unterzeichnet.

Außenminister Mohamed Benaissa brachte nach den Worten Ferrero-Waldners klar zum Ausdruck, dass König Mohammed VI. bei der Entwicklung der Wirtschaft auch andere Staaten zum Zug kommen lassen wolle. Die Ministerin nannte im Besonderen ein U-Bahnprojekt in Casablanca, an dem österreichische Unternehmen interessiert sind. In diesem Zusammenhang trifft sie vor ihrem Rückflug nach Wien noch mit Innenminister Driss Jettou zusammen, der in Marokko für Infrastruktur und Regionalisierung verantwortlich ist. Sie verwies weiters auf ein spezielles Projekt der Entwicklungszusammenarbeit für Frauen im Rif-Gebirge, das nun um drei Jahre verlängert werden soll.

Die Euro-Mediterrane Partnerschaft zwischen der EU und den südlichen Mittelmeerstaaten bildete ebenfalls ein wichtiges Thema der Gespräche, die Ferrero-Waldner am Nachmittag abschließt. Von marokkanischer Seite habe es Kritik an den Euro-Med-Projekten gegeben, jetzt bemühe man sich um konkretere Durchführung der Vorhaben.

Zum Dialog der Zivilisationen zwischen Christentum und Islam führte Ferrero-Waldner aus, Marokko wolle dazu einen Beitrag leisten und im kommenden Jahr ein Seminar veranstalten. Ziel dieses Dialogs seien mehr Toleranz und Akzeptanz anderer Kulturen. Der seit Jahren von Österreich geführte Dialog der Zivilisationen habe nach den Anschlägen des 11. September eine zusätzliche politische Bedeutung erhalten.

Ferrero-Waldner vermerkte auch die besondere Rolle Marokkos im Nahost-Konflikt. Der junge König hat die Nachfolge seines Vaters als Vorsitzender des Jerusalem-Komitees übernommen. Gegenwärtig ist der Monarch mit einer Vermittlungsaktion zwischen schwarzafrikanischen Staaten beschäftigt. Mit dem marokkanischen Außenminister erörterte Ferrero-Waldner auch den saudiarabischen Friedensplan. "In diesem Moment der politischen Stagnation ist jede Gesprächsinitiative wichtig." Auch der Sahara-Konflikt kam zur Sprache. Die Außenministerin verwies auf die UNO-Bemühungen und den Baker-Plan. Algerien und Marokko sollten das Problem gemeinsam ansprechen, um Hindernisse für eine regionale wirtschaftliche Kooperation zu beseitigen.

27.2.2002 14:40