Mittwoch, 27. Februar 2002

Skandal: Kindesmissbrauch in UNO-Flüchtlingslagern!

Was der Report des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) und der britischen Hilfsorganisation "Save the Children" ans Tageslicht bringt, ist in den Camps in Sierra Leone, Guinea oder Liberia offenbar seit Jahren Praxis: Mutmaßliche Helfer und Beschützer erpressen ihre Hilfeleistung durch Sex mit Minderjährigen. "Der große Mann kann mit kleinen Mädchen Liebe machen", zitiert der erschütternde UNO-Bericht ein Kind. Alltag ihn einem westafrikanischen Flüchtlingslager.

"Er kann das Mädchen rufen. Dann gehen sie in sein Haus und schließen es ab. Und wenn der große Mann sein Geschäft verrichtet hat, gibt er dem Mädchen Geld oder ein Geschenk."

Sechs Wochen lang befragten die Ermittler insgesamt 1500 Zeugen. Das Ergebnis ihrer Protokolle ist verheerend: Nicht nur Mitarbeiter von insgesamt 40 Hilfsorganisationen, sondern auch UNO-Vertreter und Blauhelmsoldaten missbrauchten regelmäßig ihre Schutzbefohlenen unter dem Versprechen, ihnen dafür zu geben, was eigentlich selbstverständlich war. "Viele Kinder sahen darin den einzigen Weg, um an Nahrungsmittel zu kommen", heißt es in dem Bericht.

"Als Mama mich bat, zur Quelle zu gehen, um unsere Teller zu waschen, wartete dort ein UNO-Soldat auf mich. Er befahl mir, meine Kleider auszuziehen, um ein Foto zu machen", gab eines der Opfer an. "Als ich ihn danach nach Geld fragte, sagte er: Kein Geld für Kinder, nur Kekse." Trotzdem gelten UNO-Blauhelme nach dem Bericht als am besten zahlende Kunden: Zwischen fünf und 300 US-Dollar lassen sie sich pornografische Fotografien oder Sex mit Kindern und Teenagern kosten. Ganze Gruppen der Friedensbewacher sollen dafür spezielle Treffpunkte gehabt haben, an denen sie ihre Opfer regelmäßig trafen.

"Es ist unglaublich, sagt die Direktorin von "Save the Children" in Liberia, Jane Gibrill. "Ausgerechnet die Menschen, die Hilfe leisten sollten, sind die Ausbeuter der Opfer." Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren - aber auch Jüngere - machten den größten Teil der Opfer aus. Aber auch minderjährige Buben seien von älteren Frauen zu sexuellen Handlungen gezwungen worden. Der Missbrauch sei oftmals mit Wissen der Eltern geschehen. Viele hätten ihre Kinder dazu gedrängt, weil sie sich dadurch eine bessere Lebensgrundlage erhofft hätten. Andere hätten bereits vor langer Zeit Beschwerdebriefe verfasst, die wiederum von mitwissenden Helfern zurückgehalten worden seien, heißt es im Bericht.

"Wenn du einen Helfer anschwärzt, hast du nicht nur mit ihm Ärger, sondern gleich auch mit seinen Kollegen", beschreibt ein Lagerinsasse aus Guinea die Situation. Dort wie in den Nachbarländern Sierra Leone und Liberia ist der Missbrauch von Kindern weit verbreitet. Viele der verängstigten kleinen Lagerbewohner waren auf der Flucht vor Gewalt oder der Rekrutierung zu Kindersoldaten. Statt Sicherheit erfuhren sie in den Camps Versklavung oder sexuelle Nötigung.

Einmal mehr wurde in Afrika der Missbrauch durch UNO-Mitarbeiter aufgedeckt. Bereits im vergangenen Jahr war im ostafrikanischen Kenia ein anderer Skandal ans Tageslicht gekommen: Zwölf UNHCR-Mitarbeiter wurden vom Dienst in zwei Flüchtlingslagern suspendiert. Sie sollen dort somalische Flüchtlinge gegen gute Bezahlung auf die obersten Plätze von Listen zur Umsiedlung in die USA gesetzt haben.

27.2.2002 14:36