Samstag, 23. Februar 2002

Missmanagement & verfehlte Beschaffungspolitik

Jahrelanges Missmanagement und verfehlte Beschaffungspolitik rächen sich: Das Bundesheer ist quasi bankrott, sitzt auf einem Haufen Gerät, für das es keinen Bedarf hat und kann sich notwendige Investitionen deshalb nicht leisten – was die Finanzmisere weiter verschärft. Ein hoher Offizier sagt sogar: "In der Privatwirtschaft müsste das Heer bereits Konkurs anmelden."

Wenn es an die Front gehen soll, wählt die Operationsabteilung des Verteidigungsministeriums bisweilen eine Telefonnummer im burgenländischen Oberwart – die des Reisebüros Südburg- Columbus. Denn dort hat man etwas, was dem Heer nicht immer zur Verfügung steht: genügend Personentransporter. Peinlich für das Ressort, angenehm für die Soldaten. Südburg-Columbus (Werbung im Internet: „Bestens vorbereitete Reiseleiter und harmonisch aufeinander abgestimmte Programmpunkte“) bringt sie in Bussen mit Klimaanlage, Komfortschlafsesseln und Leseleuchten an den Einsatzort.

1.200 Lkw werden benötigt
Ein typisches Beispiel für die Misere, mit der sich das Verteidigungsministerium herumschlägt: Rund 1.200 Lkw bräuchte das Heer nach internen Einschätzungen in den nächsten fünf Jahren, um seinen fast schon gemeingefährlichen Uraltwagenpark auf Vordermann zu bringen. Kostenpunkt: rund 145 Millionen Euro. Doch derartige Wünsche Wünsche sind alles – bloß nicht realistisch.

"Wir sind inzwischen einfach pleite"
"Wir sind", sagt ein hochrangiger Offizier trocken, "inzwischen einfach pleite." Und: "Wir haben bei den Sparmaßnahmen im Bundesheer den absoluten Plafond erreicht", konstatiert Brigadier Herbert Bauer,Vizepräsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft. Die Planungsfehler der vergangenen Jahrzehnte rächen sich nun bitterlich: Noch immer blecht das Heer für die Anschaffungen aus früheren Jahren. Beispielsweise für 114 Leopard- und 91 Jaguarpanzer, die das Budget noch bis 2005 belasten; oder für 110 Ulanpanzer, die erst 2010 abgezahlt sein werden – und das, obwohl selbst Generalstäbler hinter vorgehaltener Hand zugeben, daß für die kettenrasselnden Ungetüme eigentlich kaum Bedarf besteht. Das Budget für Investition und laufenden Betrieb, veranschlagt mit 617 Millionen Euro, wird zu einem Drittel von derartigen Raten gefressen. Der "disponierbare Bestand" – also jene Summe, über die FPÖ-Verteidigungsminister Herbert Scheibner halbwegs frei verfügen kann – beläuft sich auf kaum 72 Millionen Euro. Das läßt kaum Spielraum für Anschaffungen und verschlimmert gleichzeitig die Finanzflaute.

Aufstellung: Wo es besonders hapert
Kasernen: In den baufälligen Unterkünften des Bundesheers nächtigen Grundwehrdiener teilweise immer noch in Fünfzig-Mann-Schlafsälen.
Fuhrpark: Bei Übungen stehen häufig nicht genügend Lkw zur Verfügung — das Heer muß bei Reisebüros Autobusse anmieten.
Versorung: "Wir rechnen täglich damit, daß uns irgendwo eine Küche zugesperrt wird", klagt ein Offizier. Grund: völlig überalterte Infrastruktur.
Lufttransport: Mangels eigener Transportflugzeuge muß das Militär für teures Geld Maschinen von anderen Armeen anmieten.
Pioniergeräte: Im Katastrophenfall würde es das Bundesheer derzeit nicht einmal schaffen, eine Lkw-taugliche Brücke über die Donau zu errichten.
Uniformen: Bis nächstes Jahr der neue Kampfanzug eingeführt wird, sind die Soldaten auf Textilien Marke siebziger Jahre angewiesen.

Die ganze Geschichte lesen Sie in neuen FORMAT!

23.2.2002 13:50