Streik-Pläne werden immer konkreter

"Wenn die Kollegen wollen, wird gestreikt", Post-Gewerkschafter Fritz macht deutlich: Bei der Post stehen alle Zeichen auf Streik. Der Zentralausschuss hat in seiner Sitzung am Freitag die Vorbereitung sowohl von Betriebsversammlungen als auch von "gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen" binnen vierzehn Tagen beschlossen.
Die Pläne für einen Streik würden damit konkret. Alle notwendigen Beschlüsse für den Maximalfall würden damit vorbereitet, hieß es aus dem Betriebsrat am Freitag. Den letzten österreichweiten Poststreik gab es im Jahr 1965. Damals legten alle Post-Mitarbeiter ihre Arbeit für eine Stunde nieder. Die letzten Betriebsversammlungen in mehreren Bundesländern wurden in der Post im Jahr 2000 abgehalten. Damals ging es um ein Sofortprogramm mit dem klingenden Namen "Speed", mit dem die Post AG 20 Prozent der Personalkosten sparen wollte.
Nachdem Verhandlungen im Streit zwischen Postmanagement und Belegschaft am Mittwoch ohne Einigung zu Ende gegangen waren, machte der Zentralausschussbeschluss heute den Weg für gewerkschaftliche Protestschritte frei. Sollte es nun zu Kampfmaßnahmen gegen die Spartenpläne der Österreichischen Post AG kommen, schließt die Gewerkschaft auch einen österreichweiten Streik nicht aus. Es gebe "sehr viele und auch sehr kreative" Maßnahmen, die Gewerkschaft werde "alle davon nutzen".
Kern des Streits zwischen Vorstand und Betriebsrat ist die geplante Spartenorganisation, die bereits mit 1. Juli umgesetzt werden soll. Sie sieht die Teilung der Post in die Bereiche Werbesendungen, Zeitungszustellung, Brief, Schalter und KEP (Kurier-Express-Paket) vor. Die Gewerkschaft wirft dem Vorstand vor, mit dem neuen Konzept langfristig 11.000 Arbeitsplätze zu gefährden und auf Grund des Wegfalls von Synergien Mehrkosten in Höhe von 250 Mill. Euro (fast 3,5 Mrd. S) zu verursachen, und spricht von der Zerschlagung der Post.
"Horrorzahlen", kontert die Post. Post-Generaldirektor Anton Wais und sein Aufsichtsratschef und ÖIAG Vorstand Peter Michaelis wiesen die Vorwürfe am Freitag erneut zurück.

