Viele Einsprüche gegen Postämt-Schließung

Die Post AG kommt nicht zur Ruhe. Am Mittwoch scheiterten Schlichtungsgespräche mit der Belegschaft, diese überlegen jetzt einen Streik. Am Freitag findet dazu eine Krisensitzung statt. Und nun wackelt auch noch die Schließung der Postämter: Die Bürgermeister laufen Sturm.
Die Pläne der Österreichischen Post AG zur Schließung von 650 Postämtern bis Mitte dieses Jahres wackeln. Wie aus Unternehmenskreisen verlautet gibt es eine "Fülle von Bürgermeistern", die Einspruch gegen die Schließung ihres Postamtes eingebracht haben. Der Betriebsrat ist der Ansicht, dass 80 der Postämter auf der "schwarzen Liste" wirtschaftlich geführt werden könnten und daher nicht geschlossen werden sollten.
Die Situation sei "nicht ganz unchaotisch", sagte Betriebsratssprecher Martin Palensky. Auch in Managementkreisen heißt es bereits, dass das geplante Pensum "nicht in vollem Ausmaß umgesetzt" werden soll.
Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer bezeichnet den Plan zur Schließung von 650 Postämtern bis Ende Juni 2002 als "Wunschvorstellung der Post". Er sei "nicht sehr optimistisch", dass diese Vorgaben eingehalten werden. "Nach dem bisherigen Vorgehen der Post sieht es nicht so aus. Die Post hat ihre Informationspflicht gegenüber den Gemeinden bisher nicht sehr ernst genommen", sagte Mödlhammer.
Post bleibt hart
Bei der Post sieht man das anders. Das Unternehmen habe die Bürgermeister in zugesagter Form informiert. "Irgendwelche Kostenberechnungen und Finanzzahlen werden wir sicher nicht vorlegen", sagte Post-Sprecher Michael Homola. Verschiebungen kommen könnte, sei nicht ausgeschlossen. Bis Ende Juni werde man das Konzept vollständig umsetzen, sagte der Sprecher.
Postler drohen mit Streik: Am Freitag Krisen-Sitzung
Die Post AG kämpft noch an einer zweiten Front: Die Gespräche zwischen Post-Belegschaft und Vorstand sind vorerst gescheitert. Da die Verantwortlichen nicht von dem Vorhaben abgehen, die Post AG neu zu strukturieren, droht der Betriebsrat nun mit Protestmaßnahmen. Auch ein Streik wird nicht ausgeschlossen. Die Belegschaft will am Freitag in einer Krisensitzung über das weitere Vorgehen entscheiden.
Es habe keine Annäherung in den Standpunkten gegeben, sagte Martin Palensky vom Zentralausschuss am Mittwochabend. Auf die Frage, ob dabei auch Streiks beschlossen werden könnten, schließt der Betriebsrat "keine wie immer geartete Maßnahme" aus.
Trennung der Post-Sparten sollen bis März präzisiert werden
Der Vorstand habe zwar eine Reihe von Absichtserklärungen abgegeben. Bis Ende März sollen demnach die Prozesse für die Trennung der Sparten präzisiert werden.
Betriebsrat spricht von "Zerschlagung der Post"
Die geplante Spartenorganisation sieht die Fünfteilung der Post in die Bereiche Infomail (Werbesendungen), Mediendienste (Zeitungszustellung), Brief, Schalter (Filialnetz) und KEP (Kurier-Express-Paket) vor. Die Gewerkschaft wirft dem Vorstand vor, mit dem neuen Konzept 11.000 Arbeitsplätze zu gefährden und auf Grund des Wegfalls von Synergien Mehrkosten in Höhe von 250 Mill. Euro (fast 3,5 Mrd. S) zu verursachen. Außerdem spricht der Betriebsrat von der "Zerschlagung der Post".

