Mittwoch, 20. Februar 2002

Autohandel wehrt sich gegen EU-Pläne

Mit Händen und Füßen wehrt sich der österreichische Fahrzeughandel gegen die Pläne der EU-Kommission für mehr Wettbewerb im europäischen Fahrzeugverkauf. Die geplante Vorgabe, die so genannte Gruppenfreistellungs-Verordnung, treffe die Klein- und Mittelbetriebe und fördere die Marktmacht der Großketten.

"Dadurch würde eine Fülle von Arbeitsplätzen und Ausbildungsplätzen vernichtet", befürchtete Heinz Havelka, Vorsitzender des Bundesgremiums Fahrzeughandel, am Mittwoch vor Journalisten.

Dass Autos dadurch billiger würden, schließt er aus. Die Nettopreise würden sicherlich zwar binnen zwei Monaten europaweit angeglichen, der Handel werde sich aber sicher an den hohen Preisen orientieren, meint Havelka.

Nach Ansicht des Handels herrscht im österreichischen Autohandel schon jetzt "absolut genug" Wettbewerb. Die Hälfte aller Fahrzeughändler schreibe Verluste. Die guten Betriebe hätten gerade einmal eine Rendite von 0,5 Prozent, klagt Havelka.

Derzeit gebe es in Österreich rund 4.500 Autohändler, davon 2.700 Markenhändler. Havelkas Stellvertreter, Josef Schirak, erwartet, dass bei Erlass der EU-Verordnung gerade einmal zwei bis drei große Händler in Österreich den Markt dominieren würden. Die Großen würden die Kleinen schlucken. Angebote wie der Fahrzeugeintausch oder Ersatzteilservices würden wegfallen, befürchtet Schirak.

Der heimische Fahrzeughandel will nun alle Hebel gegen die Pläne des EU-Wettbewerbskommissars in Bewegung setzen. "Wenn die Verordnung so kommt, denke ich darüber nach, wie ich meinen Laden verkaufen kann", meint Schirak. Er will sich nun an EU-Kommissar Franz Fischler wenden. Dieser solle bei "der endgültigen Abstimmung" über die Verordnung im Sommer die "österreichischen Interessen" einbringen, so der Kammerfunktionär. Morgen, Freitag wollen die Autohändler im Wirtschaftsministerium ihre Ansichten darlegen.

20.2.2002 13:24