Montag, 18. Februar 2002

Grazer Psychologen befragten 2.200 Studierende

Die Einführung von Studiengebühren mit Beginn des letzten Semester scheint den österreichischen Studierenden trotz aller Bemühungen um zusätzliche Stipendien finanziell ganz schön zuzusetzen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie vom Grazer Institut für Psychologie, in der bis Ende Jänner dieses Jahres rund 2.200 Hörer der österreichischen Universitäten per Internetfragebogen befragt wurden. Demnach gehen zwei Drittel der Befragten neben dem Studium einem Job nach. Nur rund 20 Prozent kommen damit problemlos zurecht.

"Jeder zweite Studierende hat angegeben, dass die finanzielle Belastung durch die Einführung der Studiengebühren gestiegen ist", so der Grazer Psychologe Paulino Jimenez, der die Umfrage mit seinen Studierenden durchgeführt hat, im Gespräch mit der APA. Diese Angaben decken sich in etwa mit jenen 53 Prozent der Befragen, die angaben, für die Studiengebühr selbst aufkommen zu müssen. Laut der Grazer Erhebung haben zu 43 Prozent die Eltern der Studierenden dafür in die Geldbörse gegriffen.

Rund 20 Prozent der Hörer gaben an, ihr Studium und den Job problemlos in Einklang bringen zu können. 65 Prozent haben mehr oder weniger Probleme damit, 15 Prozent empfinden diese Kombination als "sehr belastend". "Immerhin gehen elf Prozent der befragten Studierenden zusätzlich zum Studium mehr als 31 Stunden pro Woche einer beruflichen Tätigkeit nach und etwa nur jeder Dritte ist während der Ferien nicht berufstätig", erklärte Jimenez. Beinahe ein Fünftel der berufstätigen Studierenden arbeitet über 21 Stunden pro Woche.

Nur 10 % mit der Betreuung an den Unis zufrieden
44 Prozent der Studierenden leben in einem eigenen Haushalt, rund die Hälfte von ihnen gibt 2.000 bis 4.000 Schilling für die Miete und ebenso viel für Essen, Kleidung und Freizeitaktivitäten aus. Studienmaterial fällt bei knapp 90 Prozent der Befragten mit "unter 2.000 Schilling pro Monat" zu Buche. Auffallend sei auch das Ergebnis, dass jeder Dritte meinte, dass die Universitäten nichts von den eingehobenen Studiengebühren bekommen, so Jimenez. Sechs von zehn glauben, dass die Unis nur einen kleinen Teil der eingehobenen Studienbeiträge erhalten. Mit der Betreuung an den Unis sind zehn Prozent "sehr zufrieden", 40 Prozent sind damit zufrieden. 20 Prozent gaben aber auch an, nur "manchmal oder selten" einen Seminarplatz zu bekommen.

Insgesamt nahmen 22 Universitäten, Hochschulen und Privatuniversitäten an der Online-Umfrage teil. Der Frauenanteil lag bei 56%. Den Löwenanteil der Befragten stellen die größten österreichischen Unis: 35% kamen von der Uni Wien, 22% von der Uni Graz. Am häufigsten haben sich Psychologiestudenten zu Wort gemeldet ( je18 Prozent), gefolgt von Studierenden der Publizistik und Betriebswirtschaftslehre sowie der Pädagogik. Insgesamt finden sich unter den Teilnehmern Studierende aus 115 verschiedenen Studienrichtungen. Zu 44 Prozent befanden sie sich im ersten Studienabschnitt. Damit seien die Kriterien für die Repräsentativität der Umfrage durchaus gegeben, so Jimenez.

18.2.2002 11:51