Sonntag, 24. Februar 2002

USA sind besorgt über Sicherheitslage in Afghanistan

Unbekannte haben zwei Raketengeschosse auf die US-Militärbasis nahe der Stadt Kandahar abgefeuert. Die Raketen seien jedoch außerhalb des Feldlagers eingeschlagen und hätten keine Gefahr für die Basis dargestellt. Die USA sind insgesamt besorgt über die Sicherheitslage in Afganistan. Jüngste Medien-Meldungen, wonach Osama Bin Laden sich im afghanische Grenzgebiet versteckt halte, wurden nun vom US-Generalstabschef Richard Myers dementiert.

Dies teilte ein US-Militärsprecher am Sonntag mit. Der Zwischenfall habe sich am Samstagabend ereignet.

Kanadische Soldaten der internationalen Anti-Terror-Koalition hätten die Abschussstelle auf einem Hügel untersucht und fünf weitere Raketengeschosse mit einem Kaliber von 107 Millimetern gefunden. Sie wurden an Ort und Stelle zerstört.

Am 13. Februar waren zwei US-Soldaten bei einem Schusswechsel mit mindestens sechs Angreifern verletzt worden.

USA besorgt über Sicherheitslage in Afganistan
Die USA sind über die sich verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan zunehmend besorgt. Es werde überlegt, wie man durch die Entsendung von Militärberatern in die kritischen Zonen verhindern könne, dass das Unwesen der Kriegsherren wieder auflebt, sagte der US-Sonderbotschafter Zalmay Khalilzad am Sonntag in Kabul. Der Chef der Übergangsregierung, Hamid Karsai, will die USA gegebenenfalls um militärischen Beistand bitten. Deutsche Soldaten sind, wie Verteidigungsminister Rudolf Scharping bestätigte, bereits seit Wochen in Afghanistan an der Jagd auf Terroristen der El-Kaida-Organisation von Osama bin Laden beteiligt.

"Die größte Herausforderung ist es ganz klar, eine Rückkehr zu dem Kriegsherren-Unwesen zu verhindern", das bis zur Taliban-Machtübernahme in Afghanistan geherrscht hat, betonte Khalilzad vor der Presse in der US-Botschaft in Kabul. Amerikanische Spezialeinheiten könnten eingesetzt werden, um potenzielle Konfliktherde im Keim zu ersticken. In den Provinzen Paktia und Wardak war es zuletzt zu Machtkämpfen rivalisierender Warlords gekommen. In Kabul wurde ein Minister erschlagen, und die internationale Friedenstruppe (ISAF) kamen zwei Mal unter Beschuss.

Demeti: US-Behörden wissen nicht, wo Bin Laden ist
US-Generalstabschef Richard Myers sagte hat am Sonntag Zeitungsberichten wiedersprochen, wonach Terroristenchef Osama bin Laden lebe und sich im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan aufhalte. Myers sagte in einem Interview der TV-Gesellschaft ABC, die USA wüssten nicht, wo Bin Laden stecke. Spekulationen über seinen Verbleib seien "irgendwie töricht, denn wir wissen einfach nicht, wo er ist".

Die USA sind sich nach einem Bericht der "New York Times" sicher, dass Terroristenchef Osama bin Laden lebt und sich an der Grenze Afghanistans zu Pakistan versteckt hält. Es gebe "frische Hinweise" darauf, dass der Führer der El-Kaida-Organisation die US-Angriffe auf die Berghöhlenfestung Tora Bora überlebt habe, meldete das Blatt am Sonntag unter Berufung auf hochrangige amerikanische Regierungsbeamte.

Nach Angaben der "New York Times" stützt die US-Regierung ihre jüngste Einschätzung auf "frische Erkenntnisse" der vergangenen Monate. Ein Beamter wurde mit den Worten zitiert: "Wir sind ziemlich sicher, dass er lebt, und wir glauben, er ist irgendwo zwischen Afghanistan und Pakistan. Es kann sein, dass er hin und her pendelt." Der Beamte fügte aber zugleich hinzu, dass die neuen Beweise sehr "zart" und nicht "spezifisch" genug seien, um einen neuen Angriff gegen Bin Laden zu starten. Weiter hieß es in dem Bericht, die Regierung behaupte nicht, dass der Terroristenchef eingekreist sei. Ihn zu fangen oder zu töten scheine eine langfristige Perspektive zu sein.

Medienbericht: Bin Laden im afghanischen Grenzgebiet
Die Zeitung berichtete - wiederum unter Berufung auf Regierungskreise - weiter, dass nach Einschätzung des Weißen Hauses bei den Militäraktionen in Afghanistan etwa ein Drittel der El-Kaida- Führung "erwischt" wurde. Das heißt, sie wurden entweder getötet oder gefangen genommen. Insgesamt beziffert die Regierung die Spitze des Terrornetzwerks auf 20 bis 25 Schlüsselpersonen.

24.2.2002 07:29