Verhandlungen mit FARC-Rebellen abgebrochen

Nach dem Abbruch der Friedesverhandlungen in Kolumbien hat das Militär mit der Bombardierung von Zielen in der "Sicherheitszone", dem entmilitarisierten Rebellengebiet, im Süden des Landes begonnen. 85 "strategische Ziele" würden angegriffen, teilte die Armee am Donnerstag in Bogota mit. Am Vortag hatte Präsident Andre Pastrana die Verhandlungen mit der linksgerichteten FARC-Guerilla für beendet erklärt, nachdem im Süden des Landes eine Passagiermaschine entführt und ein mitreisender Senator verschleppt worden war.
Die FARC seien nicht friedenswillig und eine terroristische Organisation. Das Militär habe Befehl, das 42.000 Quadratkilometer große Rebellen-Territorium - das entspricht in etwa der Fläche der Schweiz - umgehend zu besetzen. Zuvor hatte die Zeitung "El Tiempo" in ihrer Online-Ausgabe berichtet, die Luftwaffe habe seit Mitternacht (06.00 Uhr MEZ) etwa 200 Einsätze überwiegend zur Aufklärung geflogen. Tausende Soldaten standen bereit, um mit Unterstützung gepanzerter Fahrzeuge und von Hubschraubern in die seit mehr als drei Jahren von den "Revolutionären Streitkräften Kolumbiens" (FARC) gehaltene Zone im Süden des Landes vorzudringen.
Pastrana forderte die Rebellen auf, unverzüglich das Rückzugsgebiet zu verlassen. Durch Bogota rollten Panzer. Die Guerilleros sprachen von einer neuerlichen Kriegserklärung der Regierung, die zu weiterem Blutvergießen führen werde. Viele Beobachter äußerten die Befürchtung, dass der seit 38 Jahren andauernde Bürgerkrieg in Kolumbien nun in eine noch blutigere Phase treten wird.
Senator von Rebellen verschleppt
Die Entführer hatten eine Maschine der kolumbianischen Fluggesellschaft Aires in ihre Gewalt gebracht, im Süden des Landes zur Landung gezwungen und waren dann mit dem Senator Jorge Gechen Turba geflohen. Der Politiker gehört einer prominenten Familie an, aus der in den vergangenen Jahren einige Mitglieder von Rebellen entführt und ermordet wurden. Die übrigen 29 Passagiere und die Besatzung blieben unverletzt, wie die Fluggesellschaft mitteilte.
Dem Guerillakrieg in Kolumbien fallen jährlich rund 3.500 Menschen zum Opfer. Die Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Rebellen waren zuletzt immer wieder ins Stocken geraten. Vor einem Monat war es internationalen Diplomaten noch einmal gelungen, den Friedensprozess zu retten. Die kolumbianische Regierung wird von den USA militärisch unterstützt. Der Kampf gilt vor allem dem Drogenanbau. Die US-Regierung bezeichnet die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), die größte Guerillaorganisation Südamerikas, als terroristische Vereinigung.
Experiment im "Friedenslabor" gescheiter?
Die entmilitarisierte Zone galt als "Friedenslabor". Präsident Pastrana hatte das Gebiet im Süden des Landes der größten linksgerichteten Guerillagruppe vor drei Jahren überlassen, um den Friedensprozess nach fast 40 Jahren Bürgerkrieg wieder in Gang zu bringen. Seit Einrichtung der Zone feilschten Regierung und Vertreter der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) dort vergeblich um ein Friedensabkommen. Die Armee zog im November 1998 aus der Region ab. In dem fruchtbaren Gebiet von der Größe der Schweiz leben etwa 100.000 Menschen. Bereits im Jänner hatte die kolumbianische Regierung die FARC aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Seither wartete die Armee auf einen Befehl der Regierung, das Gebiet wieder zu übernehmen.
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