Mittwoch, 20. Februar 2002

Die Entführer zwangen die Piloten zur Landung

Nach der Entführung einer Passagiermaschine durch mutmaßliche Rebellen hat die kolumbianische Regierung den Friedensprozess auf Eis gelegt. Ob die Entscheidung endgültig sei, ist noch nicht sicher. Die Regierung hatte die wichtigste Rebellengruppe des Landes, die marxistischen Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), für die Entführung verantwortlich gemacht.

Dabei wurde offenbar ein mitreisender Senator der liberalen Opposition aus dem südlichen Departamento Huila und ein weiterer Passagier verschleppt. Hintergründe und Forderungen der Luftpiraten waren zunächst noch unklar.

Der Regierungsbeauftragte für den Friedensprozess, Camilo Gomez, hatte bereits einen geplanten Besuch in der entmilitarisierten Zone im Süden des Landes abgesagt, wo er mit FARC-Führern über einen Waffenstillstand verhandeln wollte. Erst vor einem Monat hatte sich die FARC mit Unterhändlern der Regierung darauf geeinigt, Anfang April ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen.

Die Entführung
Der Zwischenfall ereignete sich um zirka 9.00 Uhr Ortszeit (14.00 GMT). Die Propellermaschine vom Typ Fokker der Gesellschaft AIRES habe sich auf dem Weg von Neiva, der Hauptstadt der südwestlichen Provinz Huila, nach Bogota befunden. Sie stand nach Angaben des Militärs mit den restlichen Passagieren und Besatzungsmitgliedern etwa 280 Kilometer südwestlich der Hauptstadt nahe der Gemeinde Hobo.

In dieser Region sind die FARC die vorherrschende Guerillagruppe. Dort sind aber auch rechte Paramilitärs sowie das an Kuba orientierte "Nationale Befreiungsheer" (ELN) aktiv. Das ELN hatte 1999 bei einer ähnlichen Aktion 46 Insassen einer entführten Maschine verschleppt und zum Teil erst nach Jahren wieder frei gelassen.

Am Vortag hatte das Militär mitgeteilt, dass bei Kämpfen mindestens 20 Mitglieder der FARC getötet worden seien. Die Rebellen hätten eine Kaserne und mehrere Stationen zur Übertragung von Telefongesprächen angegriffen. Die Angriffe seien zurückgeschlagen worden, sagte ein Sprecher weiter.

In dem seit fast vier Jahrzehnten andauernden Bürgerkrieg zwischen linksgerichteten Guerillagruppen, rechten Paramilitärs und Armee wurden in Kolumbien bislang mehr als 200.000 Menschen getötet.

20.2.2002 16:12