Briefträger sollen zu Leihpersonal werden

Die Postspitze baut den Konzern radikal um, hat mit der Schließung der Postämter begonnen und wird überzählige Beamte abschieben. Die Gewerkschaft schießt aus allen Rohren gegen die mutwillige Zerstörung und kündigt für März einen österreichweiten Streik an.
Manfred Wiedner, Vizechef der heimischen Postgewerkschafter, will schon demnächst den Österreichern ihre gewohnte Post vorenthalten: Der Vorstand wird nicht einlenken, daher werden wir streiken. Und ich will einen österreichweiten Poststreik. Realistischerweise schaffen wir das so bis zum 10. März herum. Die Ursache der Kampfansage gegen die Postchefs ist das harmlos klingende Kürzel BQG. Es steht postintern für Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft.
Briefträger als Leihpersonal
Diese neue Tochterfirma wird Postboß Anton Wais demnächst gründen, um eines seiner vielen Probleme zu lösen. Zweck des Unternehmens: die Übernahme von beamteten Briefträgern oder Schaltermitarbeitern, die nicht mehr gebraucht werden. Sie sollen künftig als Leihpersonal vermietet werden oder Dienstleistungen erbringen, die der Postkonzern sozialen und kommunalen Einrichtungen anbieten will. Der Haken an der Sache: Die Beamten können nur mit ihrer Zustimmung in die BQG verfrachtet werden.
Belegschaft gegen Reorganisation
Doch die Belegschaft stemmt sich nicht nur gegen Maßnahmen wie die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft. Die Postler torpedieren die gesamte Neuorganisation, in der das Management die Aufspaltung des Konzerns in fünf Sparten vorsieht. Gerhard Fritz, oberster Postgewerkschafter, spricht von einem Kamikazeflug des Vorstands und von mutwilliger Zerstörung des Unternehmens.
Die Zeichen stehen auf Sturm
In einer historisch einmaligen Aktion hat die Belegschaftsvertretung daher am letzten Donnerstag einen formalen Einspruch gegen die Wirtschaftsführung des Vorstandes eingebracht, der nun von einer Schlichtungskommission unter Leitung des Verkehrsministeriums behandelt werden muß. Über ein für den 20. Februar angesetztes Meeting mit Wais und Kollegen sagt Betriebsratsobmann Fritz schon jetzt: Einigung wird es da wohl keine geben. Zwei Tage später wird wenn nicht ein Wunder passiert eine Streikresolution beschlossen werden.
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