Heute außerordentliche Hauptversammlung

Die außerordentliche Hauptversammlung des Weltmarktführers für Feuerfestprodukte, RHI, wird äußerst spannend: Denn heute, Freitag werden die Aktionäre mit dem geplanten Sanierungskonzept konfrontiert. Gleichzeitig wurde bekannt, dass weitere US-Töchter Gläubigerschutz nach Chapter 11 anmelden mussten.
Der US-Gesellschaften Harbison Walker Refractories, Global Industrial Technologies (GIT), A.P. Green Industries und noch weitere US-Gesellschaften des österreichischen börsenotierten Feuerfestproduzenten RHI (Wien) haben am Donnerstag Gläubigerschutz nach Chapter 11, ein Verfahren ähnlich der österreichischen Insolvenz, beantragt.
Ursache dafür sei "die steigende Zahl und zunehmend unkalkulierbare Höhe der Asbest-Schadenersatzansprüche", meldete RHI am Freitag. Aus dem Grund hatte die RHI-US-Tochter North American Refractories Company Inc. (NARCO) bereits Anfang Jänner Gläubigerschutz beantragt. Alle US-Gesellschaften sollen nun rückwirkend zum 31.12.2001 entkonsolidiert werden.
Grundlage für die Reorganisation unter Chapter 11 ist laut RHI eine so genannte Debtor-in-Possession-Finanzierung (DIP) in Höhe von 35 Mill. Dollar (40,1 Mill. Euro/552 Mill. S), die von einer dritten Partei zur Absicherung der zukünftigen finanziellen Verpflichtungen der US-Gesellschaften bereitgestellt wird. NARCO verfügt zusätzlich über eine externe DIP-Zusage über 20 Mill. Dollar.
Der RHI AG selbst entstünden damit aus den Chapter 11-Verfahren der entkonsolidierten US-Gesellschaften keine weiteren finanziellen Belastungen, betonte der Konzern. Damit sei RHI in der Lage, die am 14. Jänner 2002 angekündigte Kapital-Restrukturierung ohne weitere finanzielle Belastungen in den USA fortzusetzen. Das geplante Vorgehen soll heute, Freitag, bei der Hauptversammlung der RHI abgesegnet werden.
Außerordentliche Hauptversammlung
Die Tagesordnung umfasst drei Punkte: 1. den Bericht des Vorstandes über die wirtschaftliche Lage und das Kapitalrestrukturierungskonzept, 2. die Beschlussfassung über Kapitalmaßnahmen, vor allem die Ausgabe einer Wandelanleihe mit einem Volumen von 144 Mill. Euro (1,98 Mrd. S) und 3. Nachwahlen in den Aufsichtsrat (für die ausgeschiedenen Banker Andreas Treichl/Erste Bank und Erich Hampel/BA-CA).
Im Jänner gab Draxler sein Sanierungskonzept bekannt, nachdem der Konzern einen in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte einmaligen Jahresverlust von 870 Mill. Euro eingestehen musste. Der Konzern entledigte sich sämtlicher Altlasten aus Asbestklagen gegen seine US-Beteiligungen, und dekonsolidierte die drei Gesellschaften Narco, Harbison-Walker und A.P.Green rückwirkend zum Bilanzstichtag 31.12.2001, womit ein Umsatzvolumen von 400 Mill. Euro aufgegeben wurde. Die Zahl reklamierter Asbestopfer (pending claims) hatte sich binnen Jahresfrist auf 400.000 verdoppelt.
Mit den größten Gläubigerbanken (Bank Austria, RZB und Erste Bank), bei denen das Unternehmen mit rund 1,1 Mrd. Euro verschuldet ist, hatte RHI zuvor ein Sanierungskonzept vereinbart. Dieses sieht ein Stillhalteabkommen bis 2007 für sämtliche Bankverbindlichkeiten vor. 400 Mill. von den 1,1 Mrd. Euro werden in nicht zins- und tilgungspflichtiges Mezzaninkapital umgewandelt, für den Rest zahlt RHI Zinsen deutlich unter dem Marktniveau (Euribor plus 50 Basispunkte). Weiters wird eine nachrangige Wandelanleihe in Höhe von 144 Mill. Euro aufgelegt, für die die Banken eine Garantie in Höhe von 100 Mill. Euro erklärt haben. Mit Hilfe des Sanierungskonzepts will Draxler RHI bereits heuer wieder in schwarze Zahlen bringen.
Die Wandelanleihe wird als entscheidender Punkt bei der morgigen Hauptversammlung angesehen. Nicht nur der RHI-Vorstand, sondern auch außenstehende Beobachter rechnen, dass die Wandelanleihe die Billigung der Hauptversammlung erhalten wird, wenngleich einzelne Kleinaktionäre dagegen stimmen werden.

