Mittwoch, 13. Februar 2002

Medientycoon will 1,3 Mrd. Euro "mit allen Mittel" eintreiben

Im Kampf ums Überleben kann der Münchner Medienzar Leo Kirch nicht auf ein Entgegenkommen von Geschäftspartner Rupert Murdoch hoffen. Der australisch-amerikanische Unternehmer kündigte vor Wall-Street-Analysten in New York an, er werde seine Ausstiegsoption bei Premiere nutzen. Das dafür vereinbarte Geld werde er "mit allen möglichen Mitteln" einfordern.

Murdoch ist über den britischen PayTV-Sender BSkyB mit 22,03 Prozent an Kirchs kränkelndem Abofernsehen Premiere World beteiligt. Das Unternehmen kann sich ab dem 1. Oktober aus dem Engagement zurückziehen und dann von Kirch 1,3 Mrd. Euro (17,9 Mrd. S) verlangen.

Unterdessen hat die bayerische Staatsregierung angegeben, nicht zu Gunsten der angeschlagenen KirchGruppe aktiv geworden zu sein. "An uns ist keine Aufforderung und kein Hilferuf ergangen", sagte Staatskanzleichef Erwin Huber (CSU) am Rande einer CSU-Veranstaltung zum Politischen Aschermittwoch in Passau. Die Staatsregierung sei "immer davon ausgegangen, dass die KirchGruppe aus eigener Kraft und in eigener Verantwortung in der Lage ist, über den Berg zu kommen".

Die Bayerische HypoVereinsbank hatte der KirchGruppe mehr als eine Mrd. Euro für ihre Beteiligung am Springer-Verlag geboten und der angeschlagenen Mediengruppe so finanziell Luft verschafft. In Medienberichten war von einer "bayerischen Lösung" die Rede. Im vergangenen Jahr hatte bereits die halbstaatliche Bayerische Landesbank der KirchGruppe einen dringend benötigten Kredit gegeben. Die Staatsregierung verweigere sich grundsätzlich nicht, wenn ein Unternehmen mit der Bitte um Hilfe an den Wirtschaftsminister herantrete, sagte Huber. Das sei in diesem Fall jedoch nicht geschehen.

13.2.2002 10:11