Dienstag, 12. Februar 2002

Österreich-Plan wird erarbeitet

Verbundgesellschaft und E.ON sollen bis 30. April ihre Gespräche über die geplante gemeinsame Wasserkraft-Ehe aussetzen, um bis dahin in weiteren Verhandlungen mit den Bundesländern einen Masterplan für eine österreichische Stromlösung erarbeiten zu können. Dies sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein am Mittwoch nach dem Stromgipfel in Wien.

Der E.ON-Deal sei kein Thema in der Verbund-Hauptversammlung am 19. März, bei der die Wasserkraft-Partnerschaft mit dem deutschen Energieriesen abgesegnet werden sollte. "Wir haben heute die Tür zu einer Österreich-Lösung aufgemacht, ohne die Tür zu E.ON zuzuschlagen", betonte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein nach dem heutigen Stromgipfel in einem Pressegespräch: "Das Eine schließt das Andere nicht aus."

Masterplan als Rohkonzept, Entscheidung noch heuer
In den kommenden zehn Wochen bis Ende April wird nun der Masterplan als Rohkonzept für eine österreichische Stromlösung verhandelt. Nach dem 30. April sollten dann "beide Seiten" - Verbund und Landes-EVU - sagen, ob und wie eine Österreich-Lösung mit oder ohne E.ON möglich wäre, so Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer. Er plädierte heute dafür, dass in Stufen vorgegangen wird. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hofft, dass es noch heuer zu konkreten Ergebnissen bei Handel und Vertrieb kommen könnte.

Man solle nicht die Fehler der Vergangenheit - "alles oder nichts" - wiederholen, so Bartenstein. Mittelfristiges Ziel sei eine Partnerschaft zwischen den EVU auf allen Wertschöpfungsstufen. Zur Wasserkraft seien alle Unternehmen eingeladen, ihre Erzeugungskapazitäten gegen eine Beteiligung in die mehrheitlich im Verbund-Besitz stehende Austrian Hydro Power (AHP) einzubringen, die mit rund 25.000 GWh bereits 60 Prozent der heimischen Wasserkraft erzeugt.

Auch die thermischen Kapazitäten sollen gebündelt werden. Wien hat hier aber bereits Ablehnung signalisiert. Für den Ökostrom und die Netze plädiert Bartenstein ebenfalls für einen gemeinsamen Weg. Die Verbund-Tochter APG (Austrian Power Grid) betreibt in Österreich im Wesentlichen die 380-kV-Höchstspannungsnetze, die Landes-EVU sollten ihre Übertragungsnetze (380 kV, 220 kV) gegen Beteiligungen einbringen. Bartenstein sprach heute von einem Sparpotenzial von 500 Mill. Euro durch die Zusammenlagung aller Netze (inklusive 110 kV).

Zweifel an Österreich-Lösung
Der steirische Vertreter beim "Stromgipfel", VP-Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl, sagte im Anschluss an das Treffen, er habe es als "positiv empfunden, dass sich erstmals sehr konsequent die Eigentümervertreter" getroffen haben. "Realistisch" betrachtet werde es aber zu keiner gesamtösterreichischen, sondern "im besten Fall zu einer teilösterreichischen Lösung kommen". Er wies darauf hin, dass sich die Bundesländer Tirol und Vorarlberg mit "aus ihrer Sicht guten Gründen verabschiedet haben" und im Fall Kärnten der Einfluss der RWE zu berücksichtigen sei.

12.2.2002 22:36