Dienstag, 12. Februar 2002

Häupl gegen E.ON-Verbund-Deal

Ein neuer Anlauf für eine österreichische Stromlösung wird beim morgigen Polit-Gipfel genommen. Wirtschaftsminister Bartenstein (V) hat dazu Vertreter der Bundesländer nach Wien geladen. Bartensteins Vorschlag: Eine umfassende Zusammenarbeit - von der Bündelung der Wasserkraft aller Landesversorger mit dem Verbund sowie der thermischen Kapazitäten bis zur Bündelung von Handel und Vertrieb sowie den Netzaktivitäten. Der Wiener Bürgermeister Häupl bekräftigte hingegen sein "Nein" zum Verbund-E.ON-Deal.

Im Vorfeld haben Tirol und Vorarlberg einer "großen Lösung" bereits eine Absage erteilt, die anderen Länder unterschiedliche Bedingungen formuliert. Vertreter werden aus allen Bundesländern anreisen, aber nur aus einigen die Landes-Chefs selbst.

Tirol und Vorarlberg werden durch ihre Landeshauptleute Wendelin Weingartner (V) und Herbert Sausgruber (V) vertreten. Von oberösterreichischer Seite wird voraussichtlich Landeshauptmann Josef Pühringer (V) teilnehmen. Aus Salzburg wird Wirtschafts- und Finanzreferent Wolfgang Eisl (V) kommen, aus Niederösterreich Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka (V) teilnehmen, für Wien Finanzstadtrat Sepp Rieder (S), aus dem Burgenland Wirtschaftslandesrat Karl Kaplan (V) und aus der Steiermark Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl (V). Kärnten wird durch Landesamtsdirektor Reinhard Sladko vertreten sein, hieß es heute zur APA.

Grüne hoffen auf "kleine österreichische Lösung"
Auf zumindest eine "kleine österreichische Stromlösung" zwischen Verbund und EnergieAllianz (EVN, Wienstrom, Linz AG, Bewag/Begas und demnächst Energie AG Oberösterreich) hoffen die Grünen. EnergieAllianz und Verbund verhandeln bereits konkret über einen Schulterschluss bei Erzeugung, Handel und Vertrieb. Aus Verhandlerkreisen hieß es zuletzt, dass die Allianz bereit sei, Verbund-Strom zu fairen Marktpreisen zu übernehmen, dem Verbund im Gegenzug der Zugang zum Endkundengeschäft gewährt werden soll.

Die Eigentümervertreter der EnergieAllianz haben Bartenstein, der auch auch Eigentümervertreter der zu 51 Prozent im Besitz der Republik Österreich stehenden Verbundgesellschaft ist, als "ersten Schritt" ein eingeschränktes Stromfusionsangebot gemacht, zitiert das "WirtschaftsBlatt" (morgige Mittwochausgabe) Niederösterreichs Finanzlandesrat Sobotka. Konkret gehe es um die Fusion des Stromhandels in eine neu zu gründende Firma, die den österreichischen Wasserkraft-Strom einkaufen und zu Marktpreisen an die Eigentümer dieser Gesellschaft weiterverkaufen soll.

Bartenstein will beim morgigen Stromgipfel die Bereitschaft der Länder zu einer österreichischen Stromlösung ausloten. Die unter Beschuss geratene geplante Wasserkraft-Ehe von Verbund und der deutschen E.ON aber sei "kein Thema", so Bartenstein am Dienstag zur APA. Er erhoffe vom morgigen Gipfel einen Auftrag an die Organe der mehrheitlich in Landesbesitz stehenden EVU.

Wiener BM Häupl weiterhin gegen E.ON-Deal
Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) bekräftigte indes heute sein "Nein" zur E.ON. Wirtschaftsminister Bartenstein werde sich entscheiden müssen: "Entweder er hat uns als Partner, oder er hat den Atomstromproduzenten E.ON als Partner", so Häupl in seinem wöchentlichen Pressegespräch.

12.2.2002 14:04