Sonntag, 17. Februar 2002

Finanzielle Schwierigkeiten und "halbe Abwehr"

Der Höhenflug des FC Tirols, der am Dienstag mit dem Nachtragsspiel beim SK Sturm ins Frühjahr starten wird, soll prolongiert werden, davon ist Trainer Joachim Löw überzeugt. Trotz finanzieller Schwierigkeiten, trotz der "Halbierung" der Verteidigung, trotz Skepsis am Inn. Löw und seine Truppe wollen den Titel-Hattrick. "Sollten wir etwas anderes sagen, sind wir die Lachnummer", meinte der Deutsche.

Im Jänner vor drei Jahren übernahm Kurt Jara den damals sportlich im unteren Bereich "grundelnden" FC Tirol und es ging mit nur zwei Verstärkungen (Gilewicz und Kogler) bergauf. Was folgte, ist Geschichte: Zwei Meistertitel in Folge, und im Oktober übergab Jara, der nach Hamburg zum HSV wechselte, die Innsbrucker als überlegener Tabellenführer an seinen Nachfolger Joachim Löw. Der Deutsche konnte den Vorsprung noch ausbauen, überwinterte mit seinem Team als klarer Leader: Neun Punkte Guthaben auf den GAK bei zwei Spielen weniger und zehn auf den SK Sturm, der mit einem in Rückstand ist.
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"Aber die Mannschaft ist, obwohl es viele ältere Stammspieler gibt, immer noch nicht gesättigt", sagt Löw nach der Vorbereitung, "man merkt das Wollen, das Kribbeln vor dem Auftakt, sie wollen mehr. Dem dritten Titel unterordnen sie alles." Und der deutsche Trainer in Innsbruck bringt noch einen Vergleich: "Anders als zum Beispiel bei den Bayern, als nach einigen Titel ein Schlendrian einkehrte." Volle Konzentration auf die Arbeit, besonders im Spiel, keine Überheblichkeit, dann sollte auch 2002 der Meisterteller wieder nach Innsbruck wandern. "Wir können uns nur selber schlagen."

Denn die sechswöchige Vorbereitung (inklusive fünftägigem Camp in Regensburg und zehntägigem in Valencia) sei in Ordnung gewesen. Auch wenn auf gute Testpartien (z.B. 3:0 über Servette Genf) Durchhänger folgten (0:2-Niederlage gegen FC Wil). "Hart und konzentriert wurde gearbeitet", sagt Löw, dessen Vorstellung von Fußball habe die Mannschaft angenommen.

Dabei gesteht der einstige Stuttgart-Coach, sei seine Philosophie nicht viel anders als bei Kurt Jara. "Es gibt ein eingespieltes System mit einer Dreier-Abwehrkette. Dabei wird man bleiben, es kann einmal 3-5-2, dann wieder 3-4-3 sein, aber das Grundkonzept bleibt. Ich will Fußball mit Herz, tolle Kombinationen nach vorne, ein 4:3 freut mich mehr, als ein ermauertes 1:0. Wir wollen in der Abwehr gut stehen, aber wenn wir im Ballbesitz sind von hinten mit flachen, schnellen Pässen nach vorne und den Abschluss suchen. Ich will Spielkultur, die das Publikum begeistert."

Dass es im Tirol-Bollwerk Probleme geben wird, glaubt Löw nicht. "Auch wenn mit dem Abgang von Ziegler und Zwyssig die Hälfte der Abwehr verloren ging", so der Trainer. Der zum FC Basel abgewanderte Schweizer ("ein sportlicher Verlust, wirtschaftlich ein tolles Geschäft für Tirol") brachte den Innsbruckern in einem halben Jahr rund 700.000 Euro (9,63 Mill. S) ein. Die Position von Zwyssig auf der linken Abwehrseite soll nun Stefan Marasek einnehmen.

Und dann ging auch noch Torhüter Marc Ziegler zur Wiener Austria. Sein Nachfolger wird sein Vorgänger. Der 38-jährige Stanislaw Tschertschessow. Der Russe stand nach einer schweren Knieverletzung ein Jahr nicht zwischen den Pfosten, konnte sich aber nach hartem Training gegenüber Heinz Weber (13 Jahre jünger) durchsetzen. "Eine rein sportliche Entscheidung. Er war in der Vorbereitung um Nuancen besser. Sicherer, ruhiger und abgeklärter", so Löw.

Alter im Tor, Jugend im Angriff: Auf der anderen Seite steht der Tirol-Trainer auf seinen Youngster. Wilfried "Willi" Sanou, 17-jähriger Stürmer mit Vertrag seit Sommer in Innsbruck, gefiel beim Afrika-Cup, erkämpfte sich ein Stammleiberl im Team von Burkina Faso. "Er hat eine tolle Entwicklung hinter sich, hat nach dem Afrika-Cup mehr Selbstvertrauen. Stammspieler ist er nicht, aber als Einwechselspieler kann er für viel Wirbel sorgen", sagt Löw.

Auch der Wirbel zu Jahresbeginn ums Geld ist laut Löw ausgestanden. "Dann wurde das Versprechen eingelöst, die Oktober- und Novembergehälter auszuzahlen. Das Problem ist vom Tisch, die Mannschaft hat wieder Vertrauen, sie weiß, sie bekommt ihr Geld, auch wenn es mit Verspätung ist."

17.2.2002 10:54