"So wird der neue ORF"

Seit Freitag vergangener Woche ist die ORF-Spitze neu besetzt. ORF-Generalin Monika Lindner hat ihr "Dream Team" eindrucksvoll durch den Stiftungsrat gebracht. TV-MEDIA bat Infodirektor Gerhard Draxler und Programmchef Reinhard Scolik zum Doppelinterview.
TV-Media: Die FPÖ fühlt sich bei der Bestellung der ORF-Direktoren übergangen. Müssen Sie, Herr Draxler, nun die FP-Personalwünsche auf der zweiten Ebene - Stichwort: zentraler Chefredakteur - erfüllen?
Draxler: Nein, überhaupt nicht. Ich habe kein Personalpaket umgeschnallt bekommen und niemanden bei mir im Rucksack versteckt. Die Schlüsselpositionen werden mit den kompetentesten Leuten besetzt. Wennn ich andere zulasse, auf Begehrlichkeiten von Parteien Rücksicht nehme, wäre ich eine Marionette. Und dafür habe ich mich nicht beworben.
TV-Media: Die Zurufe aus der Politik - egal ob es sich um Personalwünsche oder konkrete Interventionen handel - sind ja heftig wie noch nie..
Draxler: Die Auseinandersetzungen, die im Moment zwischen Politik und ORF geführt werden, sind einer europäischen Demokratie nicht würdig. Deshalb will ich eine neue Diskussionskultur zwischen ORF und der Politik etablieren.
TV-Media:Themenwechsel - Wie soll die ORF-Information in fünf Jahren, am Ende Ihrer Amtszeit, aussehen?
Draxler: Die Information ist das Herzstück der ORF-Programme und ein Teil der österreichischen Identität. Ich setze auf das Kreativitätspotenzial im ORF, über das kein einziger unserer Konkurrenten verfügt. Dazu kommt: Mit dem neuen Newsroom schaffen wir den Einstieg in die digitalisierte Welt und sind dann nicht nur in der journalistischen Qualität Vorreiter, sondern auch bei den technischen Standards.
Scolik: Ähnliches gilt für meinen Bereich: Im Programm müssen wir markt- und erfolgsorientiert bleiben, die hohen Reichweiten und Marktanteile halten, speziell in der neuen Konkurrenzsituation mit österreichischem Privat-TV. Der zweite Punkt: In fünf Jahren stehen wir knapp vor dem Umstieg aufs digitale Fernsehen.
TV-Media: Wie soll die Qualität im Programm gehoben werden?
Scolik: Die drei Eckpfeiler meines Konzepts sind die starke - auch sehr reichweitenorientierte- österreichische Unterhaltung, mehr Eigenproduktionen und das Kulturprogramm. Da will ich künftig mehr Filme und Dokumentationen zeigen, die auch künstlerischen Ansprüchen genügen.
TV-Media: Die Absetzung der ZiB 3 wurde des Öfteren gefordert - etwa von FP-Klubobmann Peter Westenthaler.....
Draxler: Ich denke nicht daran, die ZiB 3 abzusetzen. Um es ganz allgemein zu formulieren: Je lauter der Zuruf, egal von welcher Partei, desto härter wird mein Widerstand. Würde ich diesen Zurufen Folge leisten, dann herrschte bald Chaos im Programm.
Lesen Sie die vollständigen Interviews in der aktuellen Ausgabe von TV-MEDIA.
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