Bauwirtschaft weiter im Tief

Der WIFO-Konjunkturtest für das I. Quartal 2002 gibt einen ersten Hinweis auf eine Erholung der Industriekonjunktur: Unternehmens-Befragungen zeigen eine Aufwerts-Trend. Dies deckt sich mit der Verbesserung der Stimmungsindikatoren in den USA und der EU. Für die Bauwirtschaft zeichnet sich keine Aufhellung ab, allerdings ist die Auftragslage im Tiefbau deutlich günstiger als im Hochbau.
Die Situation auf dem Arbeitsmarkt bleibt besorgniserregend der Verlust an Arbeitsplätzen beschleunigt sich, und die Zahl der Arbeitslosen liegt weiterhin markant über dem Niveau des Vorjahres.
Die Produktionserwartungen der Sachgütererzeuger, die sich seit dem II. Quartal 2000 kontinuierlich verschlechtert hatten, weisen nun erstmals wieder einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorquartal auf. Während die Unternehmen im Basissektor und in der technischen Verarbeitung zuversichtlicher sind, rechnen die Bauzulieferer und die Hersteller traditioneller Konsumgüter noch mit keiner Aufwärtsentwicklung.
Während in Österreich Sachgütererzeugung und Export im Herbst 2001 noch von der Konjunkturschwäche gekennzeichnet waren, verzeichnete der Tourismus nach der erfolgreichen Sommersaison auch zu Beginn des Winters markante Zuwächse: Die Umsätze übertrafen das Vorjahresniveau im November und Dezember um gut 7%, die Nächtigungen um 5%.
Ungünstig entwickelt sich die Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern, vor allem Kfz. Der nominelle Produktionswert der Bauwirtschaft blieb im September um 7% unter dem Niveau des Vorjahres. Dies schlägt sich in einem Einbruch der Baubeschäftigung und einem empfindlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit nieder, der sich in den Wintermonaten beschleunigt hat.
Der WIFO-Konjunkturtest lässt für den Tiefbau aufgrund der geplanten merklichen Steigerung der Infrastrukturausgaben im laufenden Jahr eine Erholung erwarten, im Hochbau ist angesichts der Sättigung im Wohnungs- und Bürobereich mit keiner Entlastung zu rechnen. Die Arbeitsmarktlage dürfte sich in der Bauwirtschaft weiter verschlechtern.
Arbeitsmarkt bleibt besorgniserregend
Auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich die Konjunkturschwäche des 2. Halbjahres 2001 mit den bekannten Zeitverzögerungen. Das Wachstum der Arbeitskräftenachfrage verringerte sich in den letzten Monaten stetig, und im Jänner ging die Zahl der unselbständig Beschäftigten (ohne Präsenzdiener und Karenzgeldbezieher) gegenüber dem Vorjahr bereits deutlich zurück (-11.000).
Besonders hoch sind die Arbeitsplatzverluste neben der Bauwirtschaft auch in einigen Industriebereichen (Textilien, Bekleidung, Holz, Papier, Möbel) sowie bei Verkehrs- und Telekom-Unternehmen und im öffentlichen Dienst. Die Arbeitslosigkeit steigt seit Mai 2001 und lag im Jänner mit 298.000 um 40.000 über dem Niveau des Vorjahres. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote laut Eurostat erreichte 4,3% der Erwerbspersonen.

