Gespräche über Modell für Schulterschluss

Eine teilweise österreichische Stromlösung wird wahrscheinlicher: Eine Annäherung von Verbund und EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, Linz AG, Bewag/Begas und demnächst Energie AG Oberösterreich) zeichnet sich ab. Die EnergieAllianz sei bereit, Verbund-Strom zu fairen Marktpreisen abzunehmen, im Gegenzug dazu könnte dem Verbund der Zugang zum Endkundengeschäft gewährt werden, heißt es aus Verhandlerkreisen.
EnergieAllianz und Verbund sprechen offenbar schon sehr konkret über eine Modell eines Schulterschlusses der großen österreichischen EVU. Im Mittelpunkt soll eine Leitgesellschaft stehen, die den Kraftwerkseinsatz und den Handel für alle Partnerunternehmen durchführt. Von dem angedachten Modell wären die Geschäftsbereiche Erzeugung, Handel und Vertrieb betroffen. Der Strombezug der einzelnen Vertriebsunternehmen und Vertriebsschienen würde von dieser Leitgesellschaft auf Basis einer Marktpreisformel erfolgen.
Der Rahmen des Modells steht schon seit längerem fest, hieß es heute aus Verhandlerkreisen zur APA. In einigen Punkten müssten aber noch Kompromisse gefunden werden. Dies werde die Herausforderung der nächsten Tage und Wochen sein.
Gemischte Reaktionen zu Bartenstein-Vorschlag
Der neuerliche Vorstoß für eine gesamtösterreichische Stromlösung, den Wirtschaftsminister Bartenstein unternommen hat, hatte am Donnerstag in den Bundesländern gemischte Reaktionen hervorgerufen. Vorarlberg und Tirol erteilten einer großen Österreich-Lösung ein Absage. Die anderen Länder können sich eine Lösung grundsätzlich vorstellen. Umstritten ist vor allem eine mögliche Beteiligung des deutschen Energiekonzerns E.ON an einer Wasserkraftlösung. Klarheit soll ein für kommenden Mittwoch in Wien stattfindender Stromgipfel bringen.
Dezidiert gegen eine Einbeziehung der E.ON sind am Donnerstag der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) und Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (S) aufgetreten. Der Verbund und Minister Bartenstein müssten sich entscheiden, "entweder wir oder E.ON", sagte Häupl. Er sprach sich bei der Österreich-Lösung für ein Vorgehen "step by step" aus, wobei am Anfang eine Kooperation in Handel und Vertrieb, ähnlich wie bei der EnergieAllianz stehen sollte.
SPÖ wäre für eine Lösung bereit
Die SPÖ wäre nach Worten ihres Vorsitzenden Alfred Gusenbauer für eine Österreich-Lösung bereit, im Parlament eine Zweidrittel-Mehrheit zu ermöglichen, damit beim Anteil der Republik am Verbund unter 51 Prozent gegangen werden könne. Dem Deal zwischen Verbund und E.ON stehe er "skeptisch" gegenüber, sagte Gusenbauer. Auch die grüne Energiesprecherin Eva Glawischnig lehnt eine Teilnahme der E.ON an einem künftigen österreichischen Strombündnis ab.
Haider-Vorschlag: "Länder sollen Verbund kaufen"
Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) hat heute seinen bereits tags zuvor geäußerten Vorschlag wiederholt, die Länder sollten den Verbund kaufen. Den Verbund-Konzern bezeichnete Haider wörtlich als "Hilfskonstruktion, schwach und aufgebläht". Nun müsse es heißen: "Wir kaufen den Verbund, bei dem dann ein neues Management eingesetzt werden muss."
ÖVP-Energiesprecher Karlheinz Kopf bezeichnete den Haider-Vorschlag als "passend für die Faschingszeit". Der Kärntner Landeshauptmann solle nun ernsthaft über die Vorschläge Bartensteins verhandeln. Den Verbund auf die Länder aufzuteilen hieße, den deutschen RWE-Konzern, der mit rund einem Drittel an der Kärntner Kelag beteiligt ist, hereinzuholen.

