Dienstag, 5. Februar 2002

Vorwurf an Lay: Persönliche Bereicherung

Nach einem Aussageboykott des früheren Enron-Chefs Kenneth Lay über die Hintergründe der größten Firmenpleite in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte will der Kongress den Manager jetzt zur Stellungnahme zwingen. Die Mitglieder des Handelsausschusses des Senats stimmten am Dienstag in Washington einstimmig dafür, Lay eine Zwangsvorladung für den 12. Februar zu schicken.

Lay ist außerdem von einem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses vorgeladen worden. Seine Anwälte verweigerten jedoch die Annahme. Der Manager könnte Aussagen dadurch vermeiden, dass er von seinem verfassungsmäßig verbrieften Recht Gebrauch macht, sich mit seinem Aussagen nicht selbst zu belasten. Dies haben bereits andere in das Enron-Debakel verwickelte Personen getan.

Der Manager ist am Montag auch aus dem Verwaltungsrat des bankrotten Energiehandels-Konzerns ausgeschieden. Lay hatte bereits am 23. Jänner seine Ämter als Enron-Konzernchef und Verwaltungsratsvorsitzender niedergelegt. Er blieb aber zunächst Mitglied des Aufsichtsgremiums.

Lay erklärte in einer kurzen Stellungnahme, er wolle, dass Enron überlebe und erfolgreich aus einer Reorganisation hervorgehe. "Auf Grund der zahlreichen Anfragen und Untersuchungen, die teilweise gegen mich persönlich gerichtet sind, glaube ich, dass meine Verwicklung von der Erreichung dieses Ziels ablenkt", erklärte der langjährige Enron-Chef.

Lay machte aus Enron einen Megakonzern
Lay war 1986 Unternehmenschef und -Verwaltungsrats-Vorsitzender von Enron geworden, nachdem das Unternehmen kurz zuvor durch den Zusammenschluss von zwei Pipeline-Gesellschaften entstanden war. Er hatte Enron zu einem Konzern mit einem Umsatz von mehr als 100 Milliarden Dollar (115,7 Mrd. Euro/1.592 Mrd. S) und zum siebtgrößten US-Unternehmen gemacht.

Enron hatte im Dezember vergangenen Jahres Gläubigerschutz gesucht. Das Unternehmen hat nach einer internen Untersuchung Bilanzmanipulationen und Schuldenverschleierung durch zweifelhafte Transaktionen mit Partnerschaften durchgeführt, bei denen sich führende Enron-Manager bereicherten. Die Gewinne waren mit diesem Methoden künstlich um rund eine Milliarde Dollar aufgebläht worden.

Enron-Skandal politisch brisant
Der Skandal hat eine bedeutende politische Dimension. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und in welchem Ausmaß Energieunternehmen, darunter Enron, Einfluss auf die Formulierung des Energieprogramms der US-Regierung hatten. Sowohl Präsident George W. Bush als auch zahlreiche andere republikanische und demokratische Politiker hatten früher von Enron umfangreiche Wahlkampfspenden erhalten.

Durch die Aussage eines anderen Enron-Führungsmitglieds wurde Lay unterdessen schwer belastet: William Powers warf Lay und anderen Enron-Managern vor, sich vor der Pleite durch verdeckte Geschäfte massiv bereichert zu haben.

5.2.2002 21:00