Wasserkraft als "nationaler Schatz"

Bundespräsident Klestil spricht ein Machtwort in der Wasserkraft-Frage: Er ist für die Herbeiführung einer "baldigen österreichischen Wasserkraftlösung im Rahmen der Eigentümerverantwortung". Klestil spricht sich vehement gegen einen Ausverkauf der österreichischen Wasserkraft aus. Das geplante Zusammengehen von E.ON und Verbund kommt innenpolitisch immer mehr unter Beschuss: Nun meint auch der NÖ Landeshauptmann Pröll: "Ich hoffe, dass der Deal gestorben ist."
Er glaube und hoffe, "dass der Deal gestorben ist", sagte Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (V) am Dienstagabend. Niederösterreich ist einer vehementesten Gegner der vom Verbund geplanten Wasserkraft-Ehe mit dem deutschen Energieriesen E.ON.
Pröll sagte, es gebe einen eindeutigen Gesellschafter-Auftrag Niederösterreichs an die EVN für eine österreichische Lösung. "Wien denkt ähnlich", sagte Pröll. Man sei ununterbrochen in Kontakt. Seine Erwartungen für ein Scheitern der österreichisch-deutschen Wasserkraft-Ehe der Verbund-Gesellschaft macht Pröll auch an den jüngsten Äußerungen von höchster staatspolitischer Ebene in Richtung österreichischer Wasserkraftlösung fest.
Auf Fragen nach nach politischen Eingriffen in betriebswirtschaftliche Entscheidungen Börse notierter Energiekonzerne meinte Pröll, "dass auch intelligente österreichische Lösungen internationalen Wert besitzen". Noch dazu, wo immer mehr den Ausstieg aus der Atomenergie wollten und die Wasserkraft damit umso mehr an Wert gewinne.
Klestil: "Der Wasserreichtum ist unser Schatz"
"Ich appelliere an alle Verantwortlichen in Bund, Ländern und E-Wirtschaft, zu verhindern, dass es zu einem Ausverkauf der österreichischen Wasserkraft kommt", so Klestil in einer Mitteilung der Präsidentschaftskanzlei am Nachmittag.
Der Bundespräsident habe damit heute - auf Anfrage - zur Nutzung des heimischen Wassers für die Stromerzeugung Stellung genommen und festgestellt, dass er die Sorgen teilt, Österreich könne die Kontrolle über die einzigartige Ressource in der Zukunft verlieren.
"Nationaler Schatz"
Österreich sei, so der Bundespräsident, in der glücklichen Lage, heute zu den wasserreichsten Ländern der Welt zu gehören. Dieser "nationale Schatz" diene zugleich der lebenswichtigen Versorgung mit Trinkwasser, der Erhaltung der Umwelt und der Stromerzeugung.
Die Verfügungshoheit über das Wasser als nationale Reserve müsse jedoch international abgesichert und "durch eine innerösterreichische Kooperation garantiert" werden.
Wasserkraft-Anteil von über 70%: Herrausragend in Europa
Dank des Wasserkraft-Stromanteils von über 70 Prozent am Gesamtstromverbrauch nehme Österreich in der EU eine herausragende Rolle ein, "um die uns ganz Europa beneidet - die uns aber auch ermöglicht, auf den Einsatz von Atomenergie zu verzichten. Das darf nicht in Frage gestellt werden", so Klestil in seiner Antwort auf eine Anfrage, die laut Präsidentschaftskanzlei heute, Dienstag, von der "Kronen Zeitung" an den Bundespräsidenten gerichtet wurde.

