Serbien klagt über spärlich tröpfelnde Finanzhilfe

Mit einem Aufruf von UNO-Generalsekretär Kofi Annan für mehr Engagement der Unternehmer in den armen Ländern ist am Montagabend (Ortszeit) das Weltwirtschaftsforum in New York zu Ende gegangen. Annan forderte die dort versammelte Wirtschaftselite auf, mehr in Entwicklungsländern zu investieren und Gesundheits- und Bildungsinitiativen zu starten.
Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic hat die internationale Finanzhilfe für Belgrad als "nicht groß" bezeichnet. Außerdem würde sie nur mit Verzug erteilt werden, warnte Djindjic zum Abschluss des Weltwirtschaftsforums in New York. Durch die NATO-Luftangriffe habe der Zivilsektor einen Schaden von fünf Mrd. Dollar (5,8 Mrd. Euro/79,7 Mrd. S) hinnehmen müssen, sagte Djindjic. Die bisher erhaltene internationale Finanzhilfe belaufe sich dagegen auf nur 500 Mill. Dollar.
Die schwierige Wirtschaftslage und die Armut seien der "Nährboden" für nationalistische Ideen, die Serbien in die "finstere Vergangenheit" zurückzuversetzen drohen, erklärte der serbische Ministerpräsident.
Wendepunkt in der Geschichte
Die Terroranschläge vom 11. September markierten einen Wendepunkt in der Geschichte, sagte Annan. "Wir sind durch ein Feuertor in das neue Jahrtausend gegangen", sagte Annan. "Die Kräfte des Neids, der Verzweiflung und des Terrors sind heute stärker als viele von uns realisiert hatten. Aber sie sind nicht unbesiegbar. Wir müssen eine Botschaft der Solidarität, des gegenseitigen Respekts und vor allem der Hoffnung dagegen setzen."
Seit vergangenen Donnerstag diskutierten rund 2700 Teilnehmer, darunter 30 Regierungschefs, 100 Minister, 74 Botschafter, Akademiker und Religionsführer aus 106 Ländern über globale Fragen. In gut 120 Podiumsdiskussionen und Arbeitskreisen befassten sie sich mit Themen wie der globalen Wirtschaftslage, aber auch Fragen der Terrorbedrohung und der wachsenden Kritik am Globalisierungsprozess.
Das Forum hatte erstmals in seiner 31-jährigen Geschichte nicht in Davos in den Schweizer Alpen stattgefunden. Forum-Gründer und -Präsident Klaus Schwab brachte hatte die Veranstaltung nach den Terroranschlägen in New York aus Solidarität mit der Stadt nach Manhattan verlegt. Im kommenden Jahr treffen sich die Unternehmensspitzen wieder in Davos.
2000 Menschen gingen auf die Straße
Am Wochenende demonstrierten rund 2000 Menschen auf den Straßen New Yorks gegen das Forum, dessen Teilnehmer ihrer Ansicht nach die Globalisierung zum Nachteil der lokalen Bevölkerung in vielen Ländern vorantreiben. Einige Dutzend Demonstranten wurden wegen Ordnungsvergehen festgenommen, insgesamt verliefen die Proteste jedoch friedlich.
Gegenveranstaltung in Porto Alegre
Auf der Gegenveranstaltung, dem Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre, wurden die Billionenschulden der Dritten Welt als illegal verurteilt, so dass sie erlassen werden müssten. Montag Abend (Ortszeit) demonstrierten in Porto Alegre etwa zehntausend Menschen gegen eine geplante Amerika-weite Freihandelszone.

