Titelverteidiger auf Aufholjagd

Die übliche Schlappe beim FC Bayern hat Bayer Leverkusen nicht nur Hohn und Spott von der Abteilung Attacke des deutschen Fußball-Meisters eingebracht, sondern Trainer Klaus Toppmöller sogar den Schlaf geraubt. Vor dem Mittwoch-Spitzenspiel der Bundesliga gegen Schalke 04 gestand der Bayer-Coach, dass er nach dem blamablen Auftritt bei der 0:2-Niederlage am Sonntag im Olympiastadion bis 4:00 Uhr früh via TV das Super Bowl-Finale als Frustbewältigung wählte.
"Ihr habt euch den Schneid abkaufen lassen", kritisierte Toppmöller sein Team. Er führte der Mannschaft die Siegermentalität der New England Patriots vor Augen. Schon beim Einmarsch hätte der spätere Überraschungs-Gewinner seine Ge- und Entschlossenheit demonstriert. Toppmöller hofft, dass seine Spieler sich gegen Schalke ähnlich selbstbewusst präsentieren: "Wenn wir aggressiv auftreten und uns Chancen erspielen, ist es für alle schwer, uns zu schlagen."
Glaube an eigene Stärke zurückgekehrt
Während das Bayer-Selbstvertrauen angekratzt scheint, ist "auf Schalke" mit dem grandiosen 5:1 über Bayern der Glaube an die eigene Stärke zurückgekehrt. Nach weiteren Siegen im DFB-Pokal gegen Oberhausen und in der Liga gegen Gladbach hofft Andreas Möller auf die Fortsetzung der Serie. "Jetzt können wir ganz locker nach Leverkusen fahren. Wenn wir dort wieder gewinnen, beißen wir uns oben fest", meint Möller.
Effenberg ist angriffslustig
Nach dem Befreiungsschlag gegen Leverkusen ist auch der Titelverteidiger wild entschlossen, die Aufholjagd fortzusetzen. "Der erste Schritt ist gemacht, weitere müssen folgen", fordert Trainer Ottmar Hitzfeld vor dem Gastspiel beim Schlusslicht FC St. Pauli. Auch Stefan Effenberg gibt sich wieder gewohnt angriffslustig. "Wir müssen in den nächsten zwei Spielen sechs Punkte einfahren. Alles andere zählt nicht", sagte er voller Vorfreude auf das am Samstag folgende Gipfeltreffen mit Dortmund.
Seit zehn Spielen ungeschlagen
Der neue Tabellenführer wehrt sich gegen Vorbehalte, wonach die Schwarz-Gelben zu Unrecht an der Spitze stehen. "Das ist Quatsch", so Sportmanager Michael Zorc vor dem Heimspiel gegen Rostock. Die Mannschaft habe sich Platz eins "erarbeitet und erspielt". Die Statistik spricht für sich: Die wenigsten Niederlagen, die wenigsten Gegentore und die beste Auswärtsbilanz zeugen vom Leistungsvermögen der seit zehn Spielen ungeschlagenen Elf von Matthias Sammer.
1. FC Kaiserslautern ist Geheimfavorit
Im Schatten der vermeintlichen Titelanwärter hat sich der 1. FC Kaiserslautern (am Mittwoch daheim gegen den Jara-Klub HSV) fast unbemerkt längst zum Geheimfavoriten gemausert. Pudelwohl fühlen sich die Pfälzer in ihrer Außenseiterrolle. Nur Leverkusens Manager Calmund warnt: "Achtet auf Kaiserslautern. Die haben keine internationalen Verpflichtungen mehr und spielen noch gegen alle Konkurrenten auf dem Betzenberg."
