Milosevics Anwalt spricht über Slobos Strategie

Am Dienstag muss sich Slobodan Milosevic wegen Kriegsverbrechen vor dem Den Haager Tribunal verantworten. Anwälte, die ihn vor dem Prozess im Hochsicherheitstrakt besuchen, erleben einen kampfeslustigen und entschlossenen Ex-Diktator. Zdenko Tomanovic ist einer dieser Rechstanwälte. Er enthüllt im Interview im aktuellen FORMAT die Verteidigungsstrategie des Serbenführers. Er will Bill Clinton und Tony Blair in den Zeugenstand rufen.
FORMAT: Sie haben Kontakt zu Slobodan Milosevic. Wie ist seine Stimmung?
Tomanovic: Ich kann ihnen nur so viel sagen: Er ist optimistisch und guter Dinge. Jetzt müssen wir alle, auch wir als seine juristischen Berater, seinen Auftritt am 12. Februar abwarten. Wir werden sehen.
FORMAT: Heißt das, dass Milosevic bei seiner Entscheidung bleibt, sich selbst zu verteidigen?
Tomanovic: So kann man das nicht sehen. Herr Milosevic erkennt die Legalität des Den Haager Gerichtshofes nicht an. Ich bin sein Vertreter vor dem Europäischen Gerichtshof in Straßburg und sein Vertreter vor rechtmäßigen jugoslawischen Gerichten. Aber in den Haag werde ich nicht für Herrn Milosevic auftreten, denn dieses Gericht hat keine Legitimation. Es ist nicht auf Grund von internationalen Verträgen entstanden, sondern als Produkt einer politischen Entscheidung des Weltsicherheitsrats. Das können wir nicht akzeptieren.
FORMAT: Wenn Milosevic das Gericht nicht anerkennt, so wäre die einzige logische Verhaltensweise, während des Prozesses zu schweigen.
Tomanovic: Genau das wird er nicht tun. Slobodan Milosevic wird am Dienstag ein Eröffnungsplädoyer in seiner Sache halten. Er wird präzisieren, warum er das Tribunal ablehnt, und er wird die Ablehnung in Ausführungen einbetten, die Bezug nehmen auf die globale politische Situation und auf die politische Situation am Balkan und im Jugoslawien der letzten zwölf Jahre. Er wird zeigen, wer in die Balkankrise verwickelt war und wer die Verantwortung dafür trägt. Das wird mindestens einen Tag dauern.
FORMAT: Das klingt, als würde Milosevic tatsächlich vorhaben, hochrangige westliche Politiker als Zeugen vor das Tribunal zu laden.
Tomanovic: Ja, das wird er tun. Und auch wenn das Gericht seine Anträge ablehnen wird, es wird sich zumindest mit ihnen beschäftigen müssen.
FORMAT: Es gibt Spekulationen, dass Slobodan Milosevic auch Bill Clinton und Tony Blair als Zeugen vorladen möchte. Will er das tatsächlich tun?
Tomanovic: Ja, Milosevic will, dass das Gericht diese Personen anhört, schließlich waren sie ja wichtige Spieler während der Balkankrise. Ich bezweifle allerdings, ob das Gericht dies zuläßt. Denn Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass Milosevic vor diesem Tribunal einen Fairen Prozess erwarten kann? Die Befangenheit des Tribunals ist der Grund, warum Milosevic ihn ablehnt.
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