Ex-Taliban-Außenminister soll vor Gericht

Weitere Stammesunruhen bedrohen den zerbrechlichen Frieden in Afghanistan. Stammesführer lehnen den von der Übergangsregierung eingesetzten Gouverneur der Stadt Chost ab. Indes soll der festgenommene Ex Außenminister der Taliban vorerst weiter verhört werden, dannach soll er vor ein Gericht gestellt werden. Dies könne auch außerhalb Afghanistans geschehen, meinte der Interims-Präsident Karsai.
In einer weiteren afghanischen Provinz haben einem Agenturbericht zufolge Stammesführer am Sonntag gedroht, den von der Übergangsregierung in Kabul berufenen Gouverneur zu bekämpfen. "Niemand akzeptiert diesen Gouverneur und die Zentralregierung muss eine schnelle Entscheidung treffen, sonst könnte auch in Chost eine Situation wie in Gardes entstehen", sagte ein Kommandant aus der ostafghanischen Provinz Chost der Nachrichtenagentur AIP.
In Gardes in der Provinz Paktia hatten Paschtunen die Berufung des neuen Provinzgouverneurs durch die Zentralregierung nicht akzeptiert. Bei Kämpfen zwischen zwei paschtunischen Gruppen waren daraufhin rund 50 Menschen getötet worden. Die Anführer der beiden Gruppen trafen sich am Wochenende auf Bitten der Übergangsregierung in Kabul zu Friedensgesprächen.
In Mazar-i-Sharif gaben die Anführer der drei größten Volksgruppen Nordafghanistans den bewaffneten Kämpfern in der Stadt drei Tage Zeit, die Stadt zu verlassen. In Mazar-i-Sharif hatten sich in der vergangenen Woche die usbekischen Kämpfer General Abdul Rashid Dostums Kämpfe mit anderen Klans geliefert. Mehr als 40 Menschen waren dabei getötet worden.
Ex-Außenminister der Taliban wird verhört
Mit dem früheren "Außenminister" Wakil Ahmed Muttawakil hat sich der bisher ranghöchste Vertreter des gestürzten afghanischen Taliban-Regimes gestellt. Er wurde am Samstag von US-Offizieren auf dem US-Stützpunkt bei Kandahar vernommen. Der 34-jährige Muttawakil galt als einer der engsten Vertrauten des früheren Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar, aber auch als einer der gemäßigten Vertreter des Regimes. Die afghanische Interimsregierung will Muttawakil vor Gericht stellen, um den noch freien Taliban-Mitgliedern zu zeigen, dass sie der Gerechtigkeit nicht entgehen könnten.
Außenminister Abdullah sagte, es sei von großer Bedeutung, die Taliban-Führung in sicherem Gewahrsam zu haben, damit sie die Stabilität der Interimsregierung nicht untergraben könne. Ob die Gefangenen in den USA oder in Afghanistan vor Gericht gestellt würden, sei unwichtig, solange sie der Gerechtigkeit zugeführt würden. Abdullahs Sprecher Omar Samad betonte, Muttawakil müsse sich für seinen Anteil an dem Terror und den Menschenrechtsverletzungen der Taliban verantworten. Dagegen sagte der Gouverneur von Kandahar, Gul Agha, Muttawakil kooperiere mit der Übergangsregierung und könne im Gegenzug mit Vergünstigungen rechnen. Er erkenne die neue Regierung in Kabul an und habe seine Unterstützung für den politischen Prozess in Afghanistan zugesagt.
Von den Verhören des Ex-"Außenministers" versprechen sich die USA Aufschluss über den Aufenthalt des El Kaida-Führers Osama bin Laden und des ehemaligen Taliban-Chefs Mullah Mohammed Omar. Muttawakil galt stets als gemäßigter Vertreter des Regimes, der sich mit Omar über den Verbleib Bin Ladens in Afghanistan gestritten haben soll. Öffentlich unterstützte er jedoch immer die Haltung des Taliban-Führers. Muttawakil führte nach Angaben der "New York Times" nach den Terroranschlägen vom 11. September geheime Gespräche mit Pakistan über eine Auslieferung von Bin Laden. Als sich Mullah Omar weigerte, Bin Laden auszuliefern, habe Muttawakil mit dem Regime gebrochen.
Weiterer ranghoher Taliban-Führer gefangen genommen
Wie der US-Fernsehsender ABC unter Berufung auf das Pentagon berichtete, stellte sich noch ein zweiter hoher Vertreter des gestürzten Talibanregimes. Auch er sei in US-Gewahrsam. Es handele sich um einen hochrangigen Geheimdienstoffizier, dessen Identität aber nicht enthüllt wurde. Bisher befand sich von den prominenten Vertretern des ehemaligen Taliban-Regimes nur der frühere Botschafter in Islamabad, Abdul Salam Saif, in Händen der USA.
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