Donnerstag, 7. Februar 2002

Mehrheit betrachtet "Geschenke" nicht als Bestechung

Beim türkischen Zoll ist einer Untersuchung zufolge Korruption an der Tagesordnung. Fast 40 Prozent der befragten Beamten bekannten sich dazu, dass in ihrem Bereich die Annahme von Bestechungsgeldern gang und gäbe ist, wie die türkische Presse am Donnerstag berichtete.

Das Unrechtsbewusstsein bei den Beamten ist der Studie zufolge nur schwach entwickelt: Gut 55 Prozent der Befragten stehen auf dem Standpunkt, dass die Annahme von "Geschenken" nicht mit Bestechung gleichzusetzen ist; fast zwei Drittel glauben zudem, dass auch "Trinkgelder" nicht als Schmiergeld betrachtet werden können.

Fast jeder Zehnte äußerte die Meinung, dass die Korruption im Zollbereich zu einer gewissen Gerechtigkeit bei der Einkommensverteilung beiträgt. Fast 94 Prozent sagten, ihr Gehalt reiche nicht aus.

Für die Studie befragten türkische Wissenschafter insgesamt 8.600 Zollbeamte; knapp 5.000 waren bereit, die Fragen auch zu beantworten. In der türkischen Öffentlichkeit gilt der Zoll neben der Verkehrspolizei als besonders korrupte Institution.

7.2.2002 13:00