Dienstag, 5. Februar 2002

1000 Dollar Entschädigung pro Fehlschuss

Die USA haben möglicherweise irrtümlich verbündete afghanische Kämpfer getötet. Beim Angriff auf einen angeblichen El-Kaida-Stützpunkt am 24. Jänner bei Kandahar könnten auch Verbündete verwundet oder getötet worden seien. Die Opfer dürften Mitglieder einer Delegation gewesen sein, die über die Entwaffnung von Taliban-Kämpfern verhandeln sollte.

Dies räumte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Montagabend (Ortszeit) in Washington ein. Nach seinen Angaben versuchen US-Militärs derzeit, die Ereignisse zu rekonstruieren. Bei dem US-Angriff in der Ortschaft Hasar Kadam, rund 90 Kilometer nördlich von Kandahar, waren 15 afghanische Kämpfer getötet worden.

Opfer waren Mitglieder einer Delegation aus Kabul
Bewohner der Provinz Urusgan hatten mitgeteilt, die Getöteten seien weder Taliban- noch El-Kaida-Kämpfer gewesen. Statt dessen habe es sich um Mitglieder einer Delegation gehandelt, die im Auftrag von Kabuler Regierungsbeamten in der Region über die Entwaffnung von dort versteckten Taliban-Kämpfern verhandeln sollte. Ende Dezember hatte ein US-Luftangriff auf die Ortschaft Niazi Qala im Osten des Landes mehr als hundert Todesopfer gefordert. Der Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, hatte seine Besorgnis über die zunehmende Zahl ziviler Opfer bei US-Luftangriffen ausgedrückt. Völkerrechtler haben die US-Bombardements in Afghanistan als unverhältnismäßig und rechtlich wie moralisch bedenklich bezeichnet. Die so genannte "Kollateralschäden" seien gemessen an den getöteten Zivilisten weitaus höher als die Opferzahlen der Terroranschläge in den USA vom 11. September.

Nach wochenlangem Machtkampf um Mazar-i-Sharif hat am Dienstag eine neue Truppe die Verantwortung für die Sicherheit in der nordafghanischen Stadt übernommen. Die von der Interimsregierung in Kabul eingesetzte Einheit von 600 Milizionären ist Teil einer Vereinbarung zwischen den beiden Rivalen General Abdul Rashid Dostum und Atta Mohammed. Beide Kriegsherrn sagten in der Vereinbarung zu, den größten Teil ihrer Kämpfer aus der Stadt abzuziehen. Der Befehlshaber der neuen Sicherheitstruppe, General Mohammad Isa Eftakhouri, sagte, er hoffe auf einen Abzug der Kämpfer Dostums und Mohammeds innerhalb von zehn Tagen. Die rivalisierenden Parteien in der ostafghanischen Provinzhauptstadt Gardes vereinbarten unterdessen zumindest bis Freitag einen Waffenstillstand. Dort konnte sich der von der Interimsregierung eingesetzte Gouverneur nicht behaupten.

Karsai hisst Königsflagge in Kabul
In einem symbolischen Akt hisste Karsai am Dienstag die schwarz-rot-grüne Fahne über dem Präsidentenpalast in Kabul. Es ist die alte Königsflagge von 1964. "Von nun an müssen wir uns in einer brüderlichen Geste an der Hand fassen, um den Wiederaufbau unseres Landes voranzutreiben", sagte Karsai. Die Flagge solle ein Symbol der Brüderlichkeit aller Afghanen sein. Um die in einigen Landesteilen andauernden Rivalitäten zwischen Kriegsherren zu beenden, müsse eine nationale Armee aufgebaut werden.

5.2.2002 08:21