Kapital-Guru will AUA an große Airline verkaufen

Der US-Investor Guy Wyser-Pratte, 61, der seit der Vorwoche fünf Prozent der AUA-Gruppe besitzt, will beim heimischen Staatscarrier mächtig umrühren. In einem Interview für die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins FORMAT erklärt er, daß er Wertsteigerungspotential vor allem bei einem Verkauf der AUA an eine große Airline sieht.
"Auch in der EU wird die Verknüpfung von nationaler Eigentümerschaft mit den Verkehrsrechten nicht länger akzeptierbar sein. Europa braucht nicht soviele Airlines. Und wir wollen dem AUA-Management helfen, sich in diesem Konsolidierungsprozeß zurecht zu finden." Ausdrücklich nennt Wyser-Pratte, der als einer der aggressivsten Investoren der Wall Street gilt, gegenüber FORMAT die Möglichkeit eines Takeovers und meint: "Der shareholder value muß immer an erster Stelle stehen."
Noch deutlicher wird Wsyer-Prattes deutscher Partner Markus Elsässer: "Nach den Allianzen bricht jetzt die Zeit der Fusionen an. Es kann schon ein paar Jahre dauern. Aber je früher einer die AUA schluckt, umso mehr freuen wir uns." Darüber daß sich der Hauptgesellschafter ÖIAG, der 39,7 Prozent an der AUA hält, querlegen könnte, machen sich die beiden keine übertriebenen Sorgen: "Der Staat braucht immer Geld", zitiert FORMAT Elsässer.
Der Brachial-Kapitalist
Brachialkapitalist Wyser-Pratte bestätigt FORMAT gegenüber auch, daß er seinen AUA-Anteil weiter aufstocken wird: "Natürlich haben wir das vor. Wir gehen üblicherweise von fünf auf zehn Prozent." Als Anlagehorizont nennt der New Yorker "normalerweise eineinhalb bis zwei Jahre".
Motto: Eiserne Faust im Samthandschuh
Auf die Frage, wie sie nur mit einem Minderheitsanteil ihre Ideen durchsetzen wollen, antwortet Elsässer: "Wir treten als unabhängige Investorenauf. Wir können andere Anleger mobilisieren. Wir sprechen Unangenehmes öffentlich aus. Oft reicht das schon, um was zu bewegen. Wir können sogar Aufsichtsräte zusammenzuhauen. Aber wir streben die Konfrontation nicht an." Wyser-Pratte hat bislang in rund 40 Engagements bewiesen, daß er mit nur wenigen Prozent ein Unternehmen aufmischen kann. Sein Motto: "Die eiserne Faust im Samthandschuh". Wenn die Dinge nicht nach seinem Willen laufen, zieht er den Handschuh aus.
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