Mittwoch, 30. Jänner 2002

Wurde Landkarte illegal abgekupfert?

Die Euro-Banknoten sorgen einen Monat nach ihrer Einführung neuerlich für Aufregung: Ein französisches Spezialunternehmen für Satellitenkartographie will die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt klagen, weil die auf den Scheinen abgebildete Landkarte "widerrechtlich abgekupfert" sein soll.

Das meldet das Nachrichtenmagazin "trend" in seiner neuen Ausgabe.

Der Verlag M-Sat-Edition in Clermont-Ferrand wirft der EZB vor, die Karte auf den Euroscheinen sei aus einer Montage von 300 Satellitenaufnahmen entstanden, schreibt das Magazin. Das könne von Experten eindeutig verifiziert werden. Das Motiv stamme konkret aus einem 1997 von M-Sat-Edition herausgebenen Katalog, dessen Produktion 3,8 Mill. Euro (52,3 Mill. S) verschlungen habe, so der Vorwurf. Dafür solle die EZB nun zahlen, fordert M-Sat-Edition.

Die EZB wisse von der geplanten Klage nur aus den Medien, versicherte eine EZB-Sprecherin gegenüber der APA: "Man hat mit uns keinen Kontakt gesucht". Die EZB betrachte eine Klage als "unbegründet": "Wir haben die Rechte auf die Karte gekauft", heißt es. Und zwar von einer Firma in Salzburg.

Salzburger "Geospace" weist Vorwürfe zurück
Hersteller der Karte ist das Salzburger Unternehmen Geospace, das Satellitenbilder produziert und vertreibt. Die erhobenen Vorwürfe seien haltlos, so Geospace-Geschäftsführer Lothar Beckel: "Wir haben das Bild selbst produziert - und zwar wesentlich früher, als die Franzosen behaupten". Das Bild sei bereits 1992 fertig gestellt und seither wiederholt verkauft worden. Im Juni 1997 habe der Designer der Euro-Banknoten, der Oesterreichische Nationalbank-Graphiker Robert Kalina, die Rechte im Auftrag des Europäischen Währungsinstituts als Vorläufer der EZB erworben. An der Urheberschaft des Bildes gebe es keinen Zweifel.

30.1.2002 16:18