Mittwoch, 30. Jänner 2002

BAWAG/P.S.K.-Gruppe kaufte Bösendorfer

Nach 35 Jahren in US-Besitz ist die traditionsreiche österreichische Klavierfabrik Bösendorfer mit Produktion in Niederösterreich und Wien wieder zurück in österreichischen Händen. Der US-Konzern Kimball verkaufte an die BAWAG/P.S.K.-Gruppe.

Die offizielle Übergabe fand in der Bösendorfer-Firmenzentrale in Wien statt. Verkäufer, Käufer und auch der beim Festakt anwesende Bundeskanzler Wolfgang Schüssel nannten die Traditionsfirma ein "Juwel".

Bösendorfer: Eine 175 Jahre alte Marke
Kimball war zuvor ein Offert des US-Gitarrenherstellers Gibson vorgelegen. Bösendorfer-Geschäftsführung, Belegschaft und eine österreichische "Fangemeinde" aus Wirtschaft und Politik bangten, dass Gibson die Produktion nach Fernost verlegen und damit die 175 Jahre alte Marke ruinieren würde. Daher war eine "Rückführung" in österreichische Hände zur "Chefsache" geworden.

Bundeskanzler Schüssel wurde eingeschaltet. Der Kanzler beschrieb heute seinen "Part" dabei, in den finalen Verhandlungen etwas Zeit herausgeholt zu haben. "Es bestand die Gefahr, dass aus der Marke etwas ganz anderes wird, was kulturpolitisch nicht gut gewesen wäre".

Sicherung der österreichischen Arbeitsplätze
Die BAWAG bekam den Zuschlag. Kimball-Geschäftsführer Doug Habig, dessen Konzern mit weltweit 9.000 Beschäftigten sich auf Kernkompetenzen und eigene Marken konzentrieren will, sprach heute von einem "fairen Preis" in einer nachhaltigen Lösung, hinter der vor allem auch die Belegschaft der österreichischen Klaviermanufaktur stand. BAWAG-Chef Helmut Elsner bestätigte, sein Angebot sei "nicht so hoch gewesen wie das von Gibson". Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Für das Bösendorfer-Engagement der BAWAG, deren Hauptaktionär der ÖGB ist, sprach auch die Sicherung österreichischer Arbeitsplätze, für die möglicherweise Gefahr bestanden hätte".

Der Kimball-Spitze bescheinigte Schüssel "exzellente Eigentümerschaft", sie habe das "Juwel poliert". Der neue Eigner BAWAG sei "Mäzen im besten Sinn". Für BAWAG-Chef Elsner war der Bösendorfer-Kauf "kulturelle Aktivität", die freilich nichts mit dem bankeigenen Kerngeschäft zu tun habe. Ins Tagesgeschäft werde sich die Bank nicht einmischen. Geschäftsführer Rudolf Arlt werde eine persönliche Beteiligung am Bösendorfer-Kapital angeboten. Ihm soll von der Bank eine (nebenberufliche) Managerin zur Seite gestellt werden. Zudem will die BAWAG einen Beirat gründen, der sich mit der Marken-Forcierung befasst.

Produktion wird ausgeweitet
Bösendorfer will mit dem neuen Eigentümer die Kapazitäten im Werk binnen 5 Jahren von derzeit 500 Flügel (Exportquote: 90 Prozent) auf 700 bis 800 Flügel pro Jahr ausweiten, sagte Arlt heute. Bösendorfer beschäftigt derzeit rund 230 Mitarbeiter, davon zwei Drittel im Werk in Wiener Neustadt, rund 70 in Wien. Für einen Teil der Belegschaft läuft zur Zeit drei Monate lang Kurzarbeit, wobei Arlt von einer "sozial verträglichen Kapazitätsanpassung" spricht. Welt-Mitbewerber am Klaviermarkt würden im gegenwärtig belasteten Konjunkturumfeld derzeit Leute kündigen, das sei in Österreich nicht der Fall.

30.1.2002 15:01