Österreich: 80% entlohnen nicht nach Vorschrift!

Der Frächterskandal rund um die nö. Transportfirma Kralowetz. Experten sind überzeugt: Das ist nur die Spitze des Eisberges! In Luxemburg wurde jetzt der Konkursantrag eingebracht; vielleicht gibt es bereits am Freitag ein Urteil. Die illegal zu Hungerlöhnen beschäftigten Fahrer, die aus Oststaaten kommen, sitzen in Luxemburg fest. Sie haben seit 3 Monaten keinen Lohn erhalten. Nur 25 von 800 (!) sollen sozialversichert gewesen sein. Laut Experten bewegen sich auch viele Frachtunternehmer in Österreicher außerhalb der geltenden Gesetze!
"80% der österreichischen Frächter entlohnen nicht nach Vorschrift"
Wie ist die Situation der Fahrer, die bei österreichischen Unternehmen beschäftigt sind? "Im Frächtergewerbe werden Steuern und Abgaben zur Sozialversicherung in Millionenhöhe hinterzogen", sagt der Fahrergewerkschafter und Fachsekretär der Gewerkschaft Handel, Transport, Verkehr (HTV), Georg Eberl, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden der Gewerkschaft HTV, Willibald Steinkellner. "Wir fordern die Behörden auf, endlich durchzugreifen und den Sumpf des Schwarzunternehmertums trockenzulegen", so Eberl.
Die Fahrer, die in Luxemburg festsitzen, sind verzweifelt!
Wie geht´s mit uns weiter? Völlig verzweifelt sind die Fahrer der nö. Unternehmens, die ins Luxemburg fest sitzen. Sie haben keine Arbeitserlaubnis, aber Papiere, mit denen sie über die Grenze kommen. Diese Papiere wurden in Luxemburg ausgestellt und mit falschen Stempeln versehen. Viele fürchten nun, wenn sie in ihrer Heimatländer gebracht werden, dass ihre Pässe mit Vermerken versehen werden, die verhindern, dass sie wieder in europäische Länder einreisen. Die Luxemburgische Regierung hat zugesagt, den Fahrern zu helfen und sie in ihre Länder zurückzubringen. 70 gestrandete Fahrer werden von Roten Kreuz versorgt.
Luxemburgische Frächtergewerkschaft vor Ort
Als "Skandal" und "nur die Spitze des Eisberges" bezeichnete der Präsident der luxemburgischen Transportgewerkschaft, John Castegnaro, die Vorkommnisse um die Spedition United Cargo Lines. Das Unternehmen soll im Netzwerk einer Unternehmensgruppe aus dem westlichen Niederösterreich verstrickt sein, das Chauffeure aus osteuropäischen Ländern illegal beschäftigt haben soll.
Nur 25 waren sozialversichert
"Von rund 800 Angestellten waren nur 25 sozialversichert", erklärte Hubert Hollerich, der Zentralsekretär der Sektion Transport des Luxemburgischen Gewerkschaftsbundes. Zusammen mit Hilfskräften sei man bemüht, den 150 Fahrern, die ohne Geld und Essen dastehen, "ein Dach über dem Kopf und eine warme Mahlzeit zu geben." Allerdings seien bereits weitere 20 Lkw aus Lothringen unterwegs.
Laut seinen Informationen hätten sich von der spanisch-französischen Grenze rund 30 Fahrer gemeldet, die ohne Geld festsitzen, so Hollerich. Weitere 30 Lenker von United Cargo Lines seien beim Frejus-Tunnel zwischen Italien und Frankreich "gestrandet". Ungefähr 60 Lenker säßen in Frankreich fest. Sie waren gefahren, so lange sie Geld für Diesel hatten. Im Übereinkommen mit dem französischen Transportministerium werde die französische Transportgewerkschaft nun versuchen, den Fahrern zu helfen.
Heimfahrt der Gestrandeten wird organisiert
Schwierig sei natürlich auch, dass sich die Fahrer illegal im Land aufhalten, erklärte Hollerich. Das Familienministerium habe aber schon erklärt, für die ordnungsgemäße Heimfahrt der Lenker sorgen zu wollen. Auch eine Entschädigung für die ausständigen Löhne wolle man den Männern mitgeben.
Misstände nicht neu
"Seit zehn Jahren wurden diese Missstände schon von der Gewerkschaft angeprangert", so Castegnaro. Es würde immer neue Skandale bekannt. So habe sich der Hauptsitz der betroffenen Firma in Wohnungen befunden, die eine Genossenschaft für den Sozialen Wohnbau errichtet hatte. Noch im Dezember hatte die Spedition ohne Probleme so genannte "Cemt" erhalten - Genehmigungen, wie sie für Transporte außerhalb der EU notwendig sind. Eine Kontrolle der Firma sei aber nicht vorgesehen.
Kralowetz: "Ungerechtfertigter Vernichtungsfeldzug"
"Wir wehren uns gegen einen ungerechtfertigten Vernichtungsfeldzug". Mit roten Balkenlettern auf der Startseite der homepage der Firmengruppe Kralowetz (http://www.kralowetz.com) richtet sich der Geschäftsführer der österreichischen Kralowetz GmbH in Blindenmarkt, Rainer Kralowetz, an Geschäftspartner des Transportuntenehmens. Er spricht dabei vor allem von einem "Vernichtungsfeldzug deutscher Behörden".

