Dienstag, 29. Jänner 2002

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Der börsenotierte Energie-Konzern OMV weitet sein Investitionsprogramm massiv aus: Auf 2,7 Mrd. Euro (37,2 Mrd. S) für die Jahre 2002 bis 2004. Das ist deutlich mehr als die ursprünglich für 2001 bis 2003 veranschlagten 2 Mrd. Euro.

Damit will man ein noch stärkeres und rascheres Wachstum in Exploration und Produktion (E&P) sowie Marketing und Melamin erzielen, teilte der Konzern mit. "Wir wollen unsere Marktposition nach produzierter und verkaufter Menge in den nächsten fünf bis sieben Jahren verdoppeln", erklärte OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer. Dabei konzentriere man sich verstärkt auf das Wachstum aus eigener Kraft.

Wachstum aus eigener Kraft
42 Prozent oder rund 1,1 Mrd. Euro sind für intensivierte Exploration und gezielte Akquisitionen im Kerngeschäft E&P gedacht, 38 Prozent oder 1 Mrd. Euro für Raffinerien und Marketing (R&M), wo die Raffinerie-Effizienz gesteigert sowie das internationale Tankstellennetz aus- und aufgebaut werden soll, bei den Tankstellen mit Fokus auf Bulgarien, Jugoslawien und Rumänien. Der Rest ist für Erdgas (9 Prozent), Chemie und Kunststoffe (8 Prozent) sowie im Konzernbereich (3 Prozent) gedacht. Beim Gas soll die Pipeline TAG Loop II (Baumgarten nach Arnoldstein) fertiggestellt, in der Chemie die Melaminanlage in Wittenberg/Ostdeutschland ausgebaut werden.

An die Ergebnis-Rekordjahre 2000 und 2001 wird die OMV angesichts des deutlich gesunkenen Ölpreises 2002 nicht anknüpfen können. 2000 und 2001 habe die OMV bei einem Ölpreis von um die 25 US-Dollar je Barrel jeweils Ergebnisrekorde eingefahren, für heuer würden die Ölexperten 20 oder knapp unter 20 Dollar Ölpreis erwarten. "Zumindest 5 Dollar tiefer hat natürlich einen Einfluss auf das Ergebnis", so Ruttenstorfer: "2002 ist ein weiteres Rekordjahr nicht möglich."

Früher Einstieg in Osteuropa
Im Tankstellen-Bereich fokussiert die OMV bei ihrer Expansion weiter auf den osteuropäischen Raum. Dort sei angesichts einer halb so hohen Autodichte wie im Westen das stärkste Wachstum zu erwarten. Und die Märkte seien noch nicht allzu stark besetzt - der Einstieg ist also relativ günstig. Auch künftig werde man eine Strategie des "Early Entry" verfolgen und - wie in den letzten zehn Jahren zu 80 Prozent - primär auf der "grünen Wiese" selbst aufbauen und nur in geringerem Ausmaß Marktanteile zukaufen. Der Kauf bestehender Netze bleibt aber eine Option.

Vorsicht in Süddeutschland
Vor einer Prüfung allfälliger Tankstellen-Zukäufe im süddeutschen Raum will Ruttenstorfer nach den Kartellentscheidungen aus Berlin erst die weitere Entwicklung abwarten. Durch das Nein der deutschen Wettbewerbshüter zur Ruhrgas-Übernahme durch E.ON ist nun auch wieder der Tankstellen-Deal zwischen E.ON und BP wieder in Frage gestellt, wovon Shell ein Nutznießer sein könnte: Sollte die BP/Aral-Fusion platzen, müssten Shell/DEA weniger Stationen als angenommen abstoßen.

In Planung: Kauf der polnischen PKN Orlen
An dem von der OMV geplanten Erwerb von 17,6 Prozent des noch staatlichen polnischen Ölriesen PKN Orlen bleibt Ruttenstorfer dran - das Angebot läuft noch -, doch ist man sich in Warschau über den weiteren Fortgang nicht ganz im klaren. Zuletzt war von einem Aufschub der Entscheidung bis April die Rede. Am 12. Jänner sind die Exklusivverhandlungen der zuständigen Privatisierungsagentur Nafta Polska mit der ungarischen MOL betreffend PKN zu Ende gegangen.

Ein mögliches "Dreier-Gespann" aus OMV, MOL und PKN, über das zuletzt in Medien wieder gemutmaßt wurde, sind für Ruttenstorfer "Spekulationen und Ideen", die er nicht kommentieren möchte. Mit dem gemeinsamen Offert OMV-MOL-TVK für die Unipetrol, die aber dann an die tschechische Agrofert ging und damit im Land blieb, bewies man, dass man punktuell auch gemeinsam agieren kann. Fest steht aber auch, dass die OMV zur maximalen Tankstellen-Versorgung aus Eigenproduktion ihre Verarbeitungskapazität von 10 auf 20 Mill. t verdoppeln muss. Neben Osteuropa sei auch am Balkan ein Interesse an Raffinerien nicht ausgeschlossen, spannt Ruttenstorfer einen weiten regionalen Bogen.

Im Gasbereich soll die mit den EnergieAllianz-Partnern EVN, EAG und Wienenergie geplante Gasgesellschaft für den Großkundenvertrieb noch im Frühjahr stehen, um rechtzeitig zur vollen Marktöffnung mit 1. Oktober 2002 operativ tätig sein zu können. Die Prozentsätze dieser Gesellschaft seien im Innenverhältnis zwar klar, es werde aber noch mit Oberösterreich verhandelt. Zur Gasmarktöffnung, ein Jahr nach dem Strom, bekennt sich der OMV-Chef, mit dem Entwurf von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) zum Gaswirtschaftsgesetz (GWG) sei er aber "nicht ganz zufrieden - gelinde gesagt".

Deutliche Investitionen in Wachstum und Exploration
64 Prozent der Gesamtinvestitionssumme sollen in Wachstums- und Expansionsmaßnahmen gesteckt werden, 36 Prozent seien zur Rationalisierung, Restrukturierung und für die Erhaltung gedacht. Zum größten Teil könnten die Investitionen aus dem Cash-Flow finanziert werden, betont das Unternehmen. Ein kurzfristiges Ansteigen des Verschuldungsgrades sei aber möglich.

Hoffen auf Kreditrahmen von 500 Mio Euro
Um bei allfälligen Investitions-Chancen rasch agieren zu können, beschafft sich die OMV bei einem Bankensyndikat einen über fünf Jahre laufenden Kreditrahmen über 500 Mio. Euro (6,880 Mrd. S), der demnächst, bis Mitte Februar, fixiert sein soll. "Wir haben sehr gesunde Finanzen", so OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer: "Wir wollen uns einfach vorbereiten, um unter Umständen rasch handeln zu können".

29.1.2002 10:01