Dienstag, 29. Jänner 2002

Nach Lufthansa jetzt AUA im Fadenkreuz der Iren

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Noch kämpft die AUA mit ihrem Sparpaket. Aber schon kommt der nächste Schlag auf den österreichischen Carrier zu. Denn der Billigflieger Ryanair aus Irland will ab April sein Österreich-Geschäft ausbauen. Dann will Ryanair mit seiner Boeing-737-200-Flotte Graz anfliegen und die Ticketpreise gehörig aufmischen. Beispiel: Salzburg-London Retourflug um 40 Euro.

Andere Preise:
one-way von Frankfurt nach
- London: 25 €
- Montpellier: 15 €
- Oslo: 35 €
- Pisa: 35 €

Ryanair steht derzeit mit 40 europäischen Flughäfen in Verhandlung. "Die Flughäfen müssen mit ihrer Abfertigung dem Flugzeug eine Umkehrzeit von längstens 25 Minuten ermöglichen". Damit könnte auch der Flughafen Wien zum Zug kommen, der genau mit dieser Parole wirbt.

Flug-Rebell Ryanair
Die Ryanair hat für ihre geplante Expansion erst kürzlich eine beeindruckende Bestellung von nicht weniger als 100 Boeing 737-800-Flugzeugen aufgegeben, mit einer Option auf 50 weitere! Das läuft dem internationalen Trend, eher Flugzeuge aus dem Verkehr zu nehmen, diametral entgegen. Ryanair will laut Airline-Chef Michael O' Leary in 6 Jahren grösser sein als die Lufthansa - und mit aggressiver Werbung und niedrigen Preisen der Konkurrenz Kunden abgraben. "Wir werden die Preise weiter senken", heißt es. Ryan Air (1.600 Mitarbeiter) bietet keine Mahlzeiten an und spart Kosten durch Direktvertrieb und Internet-Buchung. Im ersten Halbjahr 2001 setzte sie 344 Millionen Euro um, bei 88 Millionen Euro Gewinn nach Steuern.

Werbe-Krieg gegen die Lufthansa
Ryanair waren bereits im November 2001 mehrere vergleichende Werbeaussagen untersagt worden. Damit ist das in der einstweiligen Verfügung ausgesprochene Verbot rechtskräftig, dass Ryanair eigene Flugangebote mit dem Abflugort Hahn im Hunsrück nicht mit Angeboten der Lufthansa vom Frankfurter Rhein-Main Flughafen vergleichen darf. Dies hatten die Kölner Richter als irrführend eingestuft.
Ryanair blieb jedoch bei dem Widerspruch gegen Teile der einstweiligen Verfügung, in denen der Fluglinie verboten worden war zu behaupten, Lufthansa fliege auch Ziele wie das irische Shannon oder Bournemouth in England an. Auch dies hatten die Richter als irreführend bewertet.

Aggressive Werbe-Maßnahmen
Die britische Werbeaufsicht Advertising Standards Authority (ASA) hat die irische Billig-Fluggesellschaft Ryanair ebenfalls schon wegen irreführender Werbung gerügt. Das Unternehmen hatte im Vorjahr sowohl mit einer Zeitungsanzeige als auch mit einer e-Mail-Werbung gegen den verbindlichen Branchencodex verstoßen. Ryanair hatte unter anderem in Zeitungsannoncen für billige Flüge mit dem Slogan "Jeder Platz auf jedem Flug" geworben und nur in Kleindruck am unteren Rand der Zeitungsseite hinzugefügt, dass die Preise unter bestimmten Bedingungen gelten. Leser mussten beim Buchen feststellen, dass die günstigen Preise nur von Dienstag bis Donnerstag galten. Die von der Regierung und von der Werbewirtschaft unabhängige ASA, deren Aufgabe die Durchsetzung des Werbecodex ist, urteilte, die Anzeige von Ryanair sei "irreführend".

Schwierige Verhandlungen
Statt von Graz aus wollte Ryanair den Süden Österreichs ursprünglich von Klagenfurt aus bedienen. Dies düfte wegen Verhandlungs-Differenzen gescheitert sein. Der Kärntner Tourismusreferent Karl Pfeifenberger warf der Kärntner Wirtschaftskammer am Wochenende vor, die Gespräche torpediert zu haben. Nun habe sich Ryanair fix für Graz entschieden, sagt Pfeifenberger. Im Jahr 2001 frequentierten 752.000 Fluggäste den Grazer Airport, 460.000 davon waren Linienpassagiere, auf die die Ryan Air abzielt. In Salzburg wurden seit April 2001 130.000 Passagiere von Ryanair befördert.

29.1.2002 09:01