Montag, 28. Jänner 2002

Tiefster Euro-Stand seit sechs Monaten

Der Euro ist aus charttechnischen Gründen weiter abgesackt und hat bei Kursen knapp unter 0,86 Dollar ein Sechs-Monats-Tief markiert. Händlern zufolge lösten Anleger ihre zuvor aufgebauten Euro-Positionen auf und brachten die Gemeinschaftswährung damit unter Druck.

"Es ist eine Fortsetzung der Geschichte vom starken Dollar, aber die aktuelle Kursbewegung bei europäischen Währungen hat mehr mit technischen als mit fundamentalen Faktoren zu tun", sagte Francesca Fornasari, Volkswirtin bei Lehman Brothers.

Der Euro pendelte im frühen US-Handel um den Referenzkurs der Europäischen Zentralbank (EZB) von 0,8578 (Freitag 0,8663) Dollar. Damit notierte er rund drei viertel US-Cent tiefer als am Freitag zu Handelsschluss. Im Referenzkursverfahren der Banken EUROFX wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,8596 Dollar rund einen halben Cent niedriger festgelegt als am Freitag.

Vertrauen in die US-Wirtschaft
Der unerwartet stark gestiegene Ifo-Geschäftsklimaindex habe dem Euro dagegen keine Impulse geliefert. Händler sagten, am Markt gehe man davon aus, dass die US-Konjunktur schneller wieder anziehen wird als die Wirtschaft in der Euro-Zone. Zum Yen gab der Euro unterdessen rund ein Prozent ab auf ein neues Monatstief von rund 115,20 Yen.

Der Index-Anstieg dämpft Hoffnungen auf eine baldige konjunktur-stützende Zinssenkung in der Euro-Zone. Die Märkte blicken nun auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank (Fed) am Mittwoch. Mit einer weiteren Leitzinssenkung wird nicht gerechnet.

"Der Euro steht kurzfristig nach wie vor stark unter Druck. Der Ifo-Index reicht da nicht aus, um einen Impuls nach oben zu geben", sagte Alexandra Bechtel, Devisenhändlerin bei der Commerzbank in Frankfurt. Die Devisenmärkte seien auch für den Fall eines über den Prognosen liegenden Index-Anstiegs darauf vorbereitet gewesen, Euro zu verkaufen, sagte Ian Stannard, Devisenstratege bei BNP Paribas. Er fügte hinzu: "Der verbesserte Ifo-Index könnte zusammen mit einem vorübergehenden leichten Anstieg der Inflation als Folge der Euro-Bargeldeinführung die Märkte zu der Einschätzung bringen, dass es kurzfristig keine Zinssenkung geben wird. Und das ist nicht günstig für den Euro."

Händler und Analysten äußerten sich skeptisch über eine baldige Erholung des Euro und schlossen weitere Verluste zum Dollar im Verlauf der Woche nicht aus.

28.1.2002 13:20