Hundertstel-Krimi an Eberharter

Dieser Stephan Eberharter ist schlichtweg eine Sensation. 24 Stunden nach seinem eindrucksvollen Sieg in der Abfahrt gewann der 32-jährige Tiroler am Sonntag bei der WM-Generalprobe in St. Moritz auch den Riesentorlauf und kürte sich damit endgültig zum König der Skisaison. Mit nur 2/100 Sekunden Vorsprung auf den Schweizer Didier Cuche feierte er den neunten Saisonsieg, seinen insgesamt 15. im Weltcup. Hans Knauß qualifizierte sich im letzten Abdruck mit Platz drei noch für die Winterspiele in Utah.
Überhaupt zeigte das ÖSV-Team auch im Riesentorlauf im letzten Rennen vor Olympia kräftig auf: Christoph Gruber wurde Sechster, Christian Mayer muss trotz Platz acht zu Hause bleiben. Der vierte RTL-Starter bei Olympia, Benni Raich, belegte Platz elf.
Sechs Siege in sieben Rennen
Doch die Geschichte in diesem Jahr schreibt, so scheint es, nur Eberharter. In 29 Tagen hat er jetzt bei sieben Starts nicht weniger als sechs Mal gewonnen - genau so oft wie in seiner ganzen Karriere vor dieser Saison. Wobei ihm der letzte Sieg wohl die meiste Freude macht, denn immerhin musste er seit dem 27. Februar 1999 auf einen Erfolg in seiner Lieblingsdisziplin warten. Gerade im letzten Rennen vor Olympia brach er aber den Bann - mit fast keinem Training, dafür aber mit neuem Ski. Der Rhythmus vor der Abreise stimmt: Eberharter startet - und siegt. Auch im Gesamtweltcup ist er nach diesem Wochenende nur mehr theoretisch abzufangen, liegt er doch sechs Rennen vor dem Saisonende bereits 456 Punkte vor dem zweitplatzierten Norweger Kjetil-Andre Aamodt.
"Dieser Sieg macht sehr viel Freude"
"Das war einfach ein großartiger Tag", meinte Eberharter. "Es ist hart für die Abfahrer, auch im Riesentorlauf gut zu sein, schließlich sind wir die ganze Zeit unterwegs und können kaum trainieren. Diesen Spagat zu schaffen, ist besonders schön. Dieser Sieg macht sehr viel Freude." An diesem Tag lief alles perfekt. "Ich hatte schon beim Aufwärmen ein gutes Gefühl, und auch die Nummer eins war ein großer Vorteil." Dazu kam das "Geheimnis" eines neuen Skis, den Eberharter nur bei seiner Trainingspause in St. Moritz testen konnte, sich aber trotzdem sofort zum Umstieg entschied.
Cuche wieder Zweiter
Das Gesicht neben sich am Siegerpodest kennt Eberharter nun auch ganz genau: Didier Cuche wurde bereits zum dritten Mal nach Val d'Isere und Garmisch von dem Tiroler besiegt - mit insgesamt acht Hundertstel Rückstand. Auch für den Seriensieger dieser Saison kein unbekanntes Gefühl. "Ich war ja auch oft Zweiter - und keiner fragt nach dem Rückstand. Die Endzeit zählt." Eberharter kann nun wahrlich mit der Ruhe und Größe des Siegers nach Salt Lake City fahren.
Maiers Rekord wackelt
"Ich freue mich darauf, schließlich fahre ich ja derzeit so gut Ski wie noch nie." Und in dieser Form scheint auch der "Rekord" von Hermann Maier mit 13 Saisonsiegen nicht mehr unmöglich - neun hat er schon. Und zudem wahrte er mit dem Sieg noch die Chance auf den Sieg im RTL-Weltcup, in dem nun fünf Läufer beim Finale in Flachau um die kleine Kugel fahren. Eberharter hat allerdings als Dritter 64 Punkte Rückstand auf den Franzosen Frederic Covili, der in der Schweiz nur 18. wurde.
Knauß schafft Olympia-Quali
Neben Eberharter strahlte aber auch Hans Knauß: Im allerletzten Abdruck fuhr er nach Salt Lake City. Mit Laufbestzeit im zweiten Lauf katapultierte er sich vom 13. auf den dritten Platz nach vor - das reichte für die Nominierung. "Ich mache es immer im letzten Abdruck", meinte er. Das war vielleicht auch das Geheimnis. "Ich war gar nicht nervös, ich wusste ja, dass ich einfach nur Gas geben muss. Umso mehr freut es mich, dass es sich ausgegangen ist."
Christian Mayer bleibt über
Nicht gereicht hat es hingegen für Christian Mayer, der Achter wurde. Drei Top-Ten-Platzierungen sind in Österreich einfach zu wenig, um bei Olympia dabei zu sein. "Ich bin aber trotzdem mit dem zweiten Lauf zufrieden, leider hatte ich im ersten einen schweren Fehler - sonst hätte es auch für mich klappen können." Noch immer etwas nach seiner Form sucht Benni Raich. Nach Platz zwei im ersten Lauf kam der Rückfall auf den elften Rang. "Ich habe ein bisschen zu sehr dosiert. Aber ich weiß wenigstens nach dem ersten Lauf, dass ich vorne mitfahren kann. Und jetzt kommt die Kombination in Salt Lake City, auf die freue ich mich so richtig. Hoffentlich kann ich im Slalom Selbstvertrauen tanken."
Im Trubel vor Olympia ging fast unter, dass Stephan Görgl eine weitere Talentprobe ablegte. Der Steirer qualifizierte sich erstmals für den zweiten Durchgang und schob sich dort noch vom 25. auf den 13. Platz vor.
| Herren-RTL in St. Moritz, Endklassement |
| 1. | Stephan Eberharter | AUT | 2:32,66 | (1:18,65-1:14,01) | ||
| 2. | Didier Cuche | SUI | 2:32,68 | +0,02 (1:19,18-1:13,50) | ||
| 3. | Hans Knauß | AUT | 2:33,04 | +0,38 (1:19,66-1:13,38) | ||
| 4. | Bode Miller | USA | 2:33,32 | +0,66 (1:18,92-1:14,40) | ||
| 5. | Sami Uotila | FIN | 2:33,42 | +0,76 (1:19,11-1:14,31) | ||
| 6. | Christoph Gruber | AUT | 2:33,74 | +1,08 (1:18,91-1:14,83) | ||
| 7. | Tobias Grünenfelder | SUI | 2:33,76 | +1,10 (1:19,66-1:14,10) | ||
| 8. | Christian Mayer | AUT | 2:33,79 | +1,13 (1:19,69-1:14,10) | ||
| 9. | Fredrik Nyberg | SWE | 2:33,92 | +1,26 (1:18,90-1:15,02) | ||
| 10. | Joel Chenal | FRA | 2:34,05 | +1,39 (1:19,83-1:14,22) | ||
| 11. | Benjamin Raich | AUT | 2:34,09 | +1,43 (1:18,78-1:15,31) | ||
| 12. | Alexander Ploner | ITA | 2:34,35 | +1,69 (1:20,21-1:14,14) | ||
| 13. | Stephan Görgl | AUT | 2:34,43 | +1,77 (1:20,62-1:13,81) | ||
| 14. | Michael Von Grünigen | SUI | 2:34,52 | +1,86 (1:19,45-1:15,07) | ||
| 15. | Didier Defago | SUI | 2:34,57 | +1,91 (1:19,30-1:15,27) | ||
| 16. | Marco Büchel | LIE | 2:34,61 | +1,95 (1:19,59-1:15,02) | ||
| 17. | Bjarne Solbakken | NOR | 2:34,65 | +1,99 (1:20,26-1:14,39) | ||
| 18. | Frederic Covili | FRA | 2:34,73 | +2,07 (1:19,25-1:15,48) | ||
| 19. | Arnold Rieder | ITA | 2:34,75 | +2,09 (1:20,58-1:14,17) | ||
| 20. | Vincent Millet | FRA | 2:34,81 | +2,15 (1:19,76-1:15,05) | ||
| 21. | Uros Pavlovcic | SLO | 2:34,84 | +2,18 (1:20,10-1:14,74) | ||
| 22. | Davide Simoncelli | ITA | 2:34,86 | +2,20 (1:19,82-1:15,04) | ||
| 23. | Alessandro Roberto | ITA | 2:35,00 | +2,34 (1:20,32-1:14,68) | ||
| 24. | Dane Spencer | USA | 2:35,03 | +2,37 (1:20,89-1:14,14) | ||
| 25. | Jernej Koblar | SLO | 2:35,16 | +2,50 (1:20,67-1:14,49) | ||
| 26. | Raphael Burtin | FRA | 2:35,33 | +2,67 (1:20,57-1:14,76) | ||
| 27. | Jeff Piccard | FRA | 2:35,46 | +2,80 (1:20,95-1:14,51) |
Grand Prix von Monaco18:01
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