Sex-Skandal folgt Aufstand der Fans

Beim FC Barcelona herrscht eine Woche nach dem Skandal um die angebliche Sex-Orgie im Mannschaftsquartier reines Chaos. Dabei hatten die Fußballer des spanischen Traditionsclubs sich vor dem Ligaspiel gegen CA Osasuna geschworen, mit einem hohen Sieg das Gerede über einen Besuch von Prostituierten im Teamhotel endgültig zum Verstummen zu bringen. Aber dann ging alles schief. Und in Italien wurde das Wochenende erneut von rassistischen Fan-Ausschreitungen überschattet
Das ruhmreiche "Barca" bezog im eigenen Stadion "Camp Nou" gegen den Außenseiter eine blamable 0:1-Schlappe. Trainer Carles Rexach bot nach dem Abpfiff sofort seinen Rücktritt an. Aber Clubchef Joan Gaspart hält am Coach fest. "Er bleibt, er ist die ideale Person um uns aus dieser Situation zu bringen. Drastische Maßnahmen wären jetzt das Falsche", sagte Gaspart nach dem Match während draußen auf den Rängen aufgebrachte Fans randalierten. Einige wollten gar die Ehrentribüne stürmen und den Clubführern an den Kragen. Da dies nicht gelang, griffen sie Fernsehreporter an.
Barca hat schlechteste Bilanz seit 22 Jahren
Der FC Barcelona, einst ein vorbildlich geführter Club und der Stolz der Katalanen, ist nicht wiederzuerkennen. Als Tabellen-Neunter der Primera Division weist er in dieser Saison die schlechteste Bilanz seit 22 Jahren auf. Gaspart steht vor einem Scherbenhaufen. In seiner nicht einmal zweijährigen Amtszeit verpulverte der Hotelier 180 Millionen Euro (2,48 Mrd. S) für neue Spieler, aber kaum einer der verpflichteten Stars schlug ein. "Gaspart ist der Hauptschuldige für die Krise", meint das Sportblatt "Marca".
Hohn und Spott von den Fans
Die von der Sex-Affäre ohnehin gebeutelte Mannschaft musste im eigenen Stadion Hohn und Spott der Fans über sich ergehen lassen. Zuschauer hielten Spruchbänder wie "Weniger Sex, mehr Fußball" empor oder auch eine aufgeblasene Sex-Puppe mit einer Barca-Mütze auf dem Kopf. Das Star-Ensemble um Rivaldo und Co. wirkte orientierungslos und verunsichert. "Die Spieler fürchten sich vor dem Ball wie vor einer Bombe", stellte der Trainer fest. Die Fans bejubelten jeden Ballwechsel von Osasuna mit "Olé"-Rufen.
Eine Krisensitzung folgt der anderen
"So kann es nicht weitergehen", meint das Fachblatt "Sport". Die Konkurrenz von "El Mundo Deportivo" ergänzt: "Genug der Worte! Jetzt muss etwas geschehen." In der Clubführung folgt eine Krisensitzung der anderen. In Barcelona fühlt man sich bereits an die schwere Krise vor zwei Jahren erinnert. Damals hielt Clubchef Josep Lluis Núnez trotz aller Fan-Proteste am unbeliebten Trainer Louis van Gaal fest und musste dann zusammen mit dem Coach abtreten. Dem Duo Gaspart/Rexach droht nun ein ähnliches Schicksal.
Wieder Rassismus-Skandal in Italien
Der italienische Fußball ist am Wochenende erneut von rassistischen Fan-Ausschreitungen überschattet worden. Rechtsradikale Anhänger des Drittligisten FC Treviso verließen beim Spiel in Lumezzane das Stadion, weil in der eigenen Mannschaft der farbige Brasilianer Reginaldo Ferreira Da Silva eingewechselt wurde. "Die Schande kehrt nach Treviso zurück", titelte die "La Gazzetta dello Sport" am Montag. Schon vor einem Jahr hatten Fans des Clubs das Stadion demonstrativ verlassen, als der Nigerianer Akim Omolade im Spiel in Terni für Treviso auflief.
Spieler mit schwarz angemalten Gesichtern
Damals protestierte die Mannschaft am folgenden Spieltag gegen die eigenen Fans, in dem alle Treviso-Spieler mit schwarz angemalten Gesichtern aufliefen. Für diese deutliche Geste der Solidarität hatte Treviso großen Applaus aus der gesamten Sportwelt geerntet. Der damalige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Juan Antonio Samaranch, lobte Treviso für das "klare Zeichen gegen Rassismus im Sport".
