Chefredakteur bittet Entführer Pearls um Dialog

Weiter Verwirrung um den in Pakistan entführten US-Journalisten Daniel Pearl (38): Lebt er noch oder ist er tot? Der US-TV-Sender ABC hatte bereichtet, seine Leiche sei in Karachi gefunden worden. Kollegen Pearls sagten allerdings, die Leiche sei nicht Pearl. Der Chefredakteur des "Wall Street Journal" bittet die Entführer in einem offenen Brief, mit ihm in Dialog zu treten. Nur so könnten sie ihre Botschaft weitergeben.
Die Polizei in Pakistan hat nun die Suche nach dem entführten US-Journalisten ausgeweitet. Nun wird außer in der Hafenstadt Karachi auch in Peshawar im Norden und Quetta im Westen nach Pearl und den Kidnappern gesucht. Pearl hatte beide Städte, die nahe an der afghanischen Grenze liegen, vor seinem Verschwinden vor fast zwei Wochen besucht. "Wir gehen allen Möglichkeiten nach, um ihn und die Kidnapper aufzuspüren", sagte ein Polizeisprecher der Zeitung.
Chefredakteur und Ehefrau bitten Entführer um Dialog
Der Chefredakteur des "Wall Street Journal", Paul Steiger, hat sich in einem offenen Brief an die mutmaßlichen Entführer seines Korrespondenten Daniel Pearl gewandt. Er richtete den am Montagabend veröffentlichten Brief an die Nationale Bewegung für die Wiederherstellung der pakistanischen Souveränität, die sich in einer E-Mail zu der Entführung des Journalisten bekannt hatte.
Steiger bat die Gruppe, mit ihm in einen Dialog zu führen, um ihre Sorgen anzusprechen. Pearl verschwand am 23. Jänner, als er sich in Karachi mit Mitgliedern einer islamischen Organisation treffen wollte, der Verbindungen zu Osama bin Ladens Terrornetzwerk El Kaida nachgesagt werden. Er wisse, dass die Nationale Bewegung es ernst meine und andere über ihre Forderungen informieren wolle, erklärte Steiger. Daher sei es sehr wichtig, dass die Organisationen auf seinen Brief reagiere. Nur so könne er angesichts zahlreicher E-Mails angeblicher Entführer sicher sein, tatsächlich mit den Leuten zu sprechen, die Pearl in ihrer Gewalt hätten. Auch die Ehefrau des Journalisten, Marianne Pearl, bat die Entführer, sich bei ihr zu melden.
Entführer wollen Guantanamo-Häftlinge frei pressen
In der E-Mail vom 27. Jänner forderte die Gruppe die Freilassung der auf dem US-Stützpunkt Guantanamo festgehaltenen pakistanischen Gefangenen. Der Mail beigefügt war ein Foto, das Pearl und eine auf seinen Kopf gerichtete Pistole zeigte. Trotz bisher erfolgloser Suche nach dem Journalisten zeigten sich die Behörden weiterhin zuversichtlich, Pearl lebend zu finden.
Die Polizei sieht nur noch E-Mails mutmaßlicher Entführer als echt an, die von Fotos begleitet waren. Mehrere Trittbrettfahrer hatten wahrscheinlich falsche E-Mails geschickt. Mitteilungen, wonach Pearl tot sei, erwiesen sich bisher nicht als richtig. Bei einem Toten, der in Karachi gefunden worden war, handelte es sich entgegen ersten Berichten nicht um Pearl.
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