Samstag, 2. Februar 2002

SPEZIAL: 2 JAHRE SCHWARZ-BLAU

Das Quiz zur Halbzeit: Kennen Sie unsere Regierung?

Am Montag hat die FPÖ-ÖVP-Koalition unter Bundeskanzler Schüssel Halbzeit erreicht. Nach zwei Regierungsjahren hat Schwarz-Blau gerade ihre schwerste Krise hinter sich und der Ruf nach vorgezogenen Wahlen und einer neuen Koalition wird lauter. Die SPÖ ist für Neuwahlen jedoch denkbar schlecht vorbereitet. Fest steht nur, dass SP-Chef Alfred Gusenbauer Kanzlerkandidat ist. Immerhin: die Grünen wollen einen Wahlkampf vom Reissbrett führen. Doch der Erfolg ist nicht planbar - auch nicht mit Parteichef Alexander van der Bellen.

Wer Wahlen gewinnen will, greift mitunter auf traditionsreiche Rezepte zurück. Etwa auf die gute alte Tupperwareparty. Seit Jahrzehnten gilt die zwanglose Produktpräsentation im vertrauten häuslichen Umfeld als unschlagbar – sie ist billig und zielgruppengerecht. Mundpropaganda sorgt für die gewünschte Verbreitung, Gruppendruck für hohe Verkaufszahlen. In heimeliger Wohnzimmeratmosphäre lassen sich jedoch nicht nur Plastiktatzerl und Aufbewahrungsdosen, sondern auch politische Kandidaten verkaufen – hofft zumindest die SPÖ.

Flächendeckend sollen die Funktionäre im kommenden Nationalratswahlkampf ausschwärmen, Sitzecken und Sofas der Wählerschaft erobern, um dort bei Kaffee und Kuchen für ihr Hauptprodukt zu werben: Kanzlerkandidat Alfred Gusenbauer. Rote Tupperwarepartys als Wahlkampfschlager für die Basis sind nur eine von vielen Ideen, die dieser Tage eilends in der SPÖ-Parteizentrale in der Wiener Löwelstraße ausgeheckt werden.

Aber auch gegenüber dem roten Hauptquartier, in der Schenkenstraße, wird getüftelt: Die Grünen arbeiten an detaillierten Plänen für den ultimativen Wahlkampf, der die Ökopartei endlich an die Regierungsmacht bringen soll.

Regelmäßig treffen sich Abgeordnete und Mitarbeiter und raunen sich Begriffe aus dem Spindoktoren- Handbuch – wie „Erwartungssteuerung“, „Strategiezentrum“ oder „Strömungsblockade“ – zu. Man konferiert als „Manifestgruppe“ oder „Struktureinheit“, wälzt demoskopische Ergebnisse und analysiert Wählerstromanalysen.

Wendeschlacht
Die Hektik der Opposition ist nicht unbegründet. Die jüngsten Neuwahldrohungen des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider sind zwar verpufft, die eisige Einigkeit zwischen Kanzler Wolfgang Schüssel und seiner Vize, Susanne Riess-Passer, kann die tiefgehende Krise aber nicht mehr verbergen. Längst schärfen ÖVP wie FPÖ wahlkampfgerecht ihr Parteiprofil – die FPÖ als erweiterungskritische, die ÖVP als staatstragende Europabewegung.

Auf den Herbst 2003 als Wahltermin vertrauen nur eingefleischte Wendeoptimisten: Möglich wäre auch ein vorgezogener Urnengang in diesem Herbst oder im Frühjahr 2003. Beides sind allerdings Termine, die den Wahlkampfstrategen der Opposition Kopfweh bereiten.

Dabei fehlen der SPÖ und den Grünen Umfragen seit Monaten nur wenige Prozentpunkte auf die magischen fünfzig Prozent, die der schwarz-blauen Regierung den Garaus machen könnten. Wie die paar tausend Stimmen zu gewinnen sind, die die „Wende der Wende“ SPÖ) oder die „Reformwende“ (Grüne) möglich machen, ist hingegen weniger klar.

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2.2.2002 10:06